„Dialog mit dem Islam“ zu muslimischen PatientInnen am Lebensende

Über 30 Gäste kamen am Donnerstagabend des 15.9.2022 zum „Dialog mit dem Islam“ in den großen Saal der Essener VHS. Es war die dritte Veranstaltung dieser Art im Jahr 2022. Die Veranstaltungsreihe wurde auf Initiative vom KIM-E (Kommission Islam und Moscheen in Essen e.V.) und der Stadt Essen ins Leben gerufen. Sie umfasst nicht nur Vorträge und Diskussionen, sondern auch verschiedene Exkursionen und Sprachunterricht für spezielle Zielgruppen. Für die Stadt Essen engagieren sich die Volkshochschule (VHS) und das Kommunale Integrationszentrum – abgekürzt KI.

In seinem Grußwort verdeutlichte der Gastgeber und stellv. Direktor der VHS Essen, Stephan Rinke, nicht nur die Wichtigkeit dieser Veranstaltungsreihe, sondern auch die emotionale Aufladung dieses ebenso schwierigen wie wichtigen Themas. Er zeigte sich hocherfreut, dass mit der Referentin des Abends, Frau Dr. Ferya Banaz-Yasar, eine absolute Expertin gewonnen werden konnte, der aus gutem Grund in diesem Jahr der Brost-Ruhr-Preis verliehen worden ist.

Der Vorsitzende der Kommission Islam und Moscheen in Essen e.V., Muhammet Balaban, gab in seinem Grußwort einen Einblick in seine langjährige Arbeit in der Ethikkommission des Klinikums, die sich auch immer wieder mit dem Thema des Abends beschäftigt. Zudem schilderte er bisherige Berührungspunkte mit der ihm gut bekannten Referentin und bedankte sich für ihre Partnerschaft beim Projekt „Islamische Seelsorge in Essener Krankenhäusern“ in Trägerschaft der KIM-E.

Frau Dr. Ferya Banaz-Yasar stellte in ihrem Vortrag anhand der täglichen Praxis im Essener Klinikum die würdevolle Begleitung von unheilbar erkrankten und sterbenden Menschen dar, die das Hauptziel der Hospizarbeit und der Palliativversorgung ist. Dabei beschränkte sie sich zunächst nicht allein auf muslimische PatientInnen, ging aber im Verlauf des Vortrags immer stärker auf den kultursensiblen Ansatz ihrer Arbeit ein, dem aufgrund der ständigen Zuwanderung und der daraus entstehenden großen Kulturvielfalt eine wachsende Bedeutung zukommt. Die Herausforderung liegt in der Vielfalt von Kulturen, Religionen und Lebensweisen, auf welche die Versorgenden in den Krankenhäusern sich einzustellen haben. Diese sind oft verunsichert und befürchten gerade bei unheilbaren Erkrankungen, Fehler im Umgang mit den Patientinnen und Patienten zu machen. Mit ganz konkreten Beispielen aus ihrer täglichen Arbeit als Koordinatorin der Hospizarbeit im Essener Klinikum verdeutlichte die Referentin die Sensibilität wie auch die Bedeutung des Themas.

In der anschließenden angeregten Diskussion wurde deutlich, dass es viele bestehende Hospiz- und Palliativversorgungsmöglichkeiten gibt, die aber noch bekannter gemacht werden müssten. Da es in den Herkunftsländern von Migrantinnen und Migranten oft diese Versorgungsmöglichkeiten nicht gibt (Die Hospizidee gibt es als solche nicht in den muslimisch geprägten Ländern), werden diese auch hier oft nicht nachgefragt. Die Anwesenden waren sich einig, dass durch den Wandel in den muslimisch geprägten Familien in Deutschland immer mehr professionelle Hilfen benötigt werden.

Viele Fragen und Diskussionspunkte wurden im Anschluss bei einem Imbiss und Getränken erörtert, welche deinKult Café aus dem KD 11/13 erneut sehr schmackhaft und natürlich „halal“ vorbereitet hatte. In Erinnerung bleibt ein denkwürdiger Abend, bei dem viel Raum für Fragen und Diskussion zur Verfügung stand. Die persönliche Begegnung und der direkte Dialog im Anschluss kamen ebenfalls nicht zu kurz, wozu die großzügigen Räumlichkeiten der VHS erneut den perfekten Rahmen boten. Insgesamt eine gelungene Fortsetzung der Reihe Dialog mit dem Islam.

Essen, den 19.9.2022 – Andreas R. Crüsemann

Bilder © KIM-E

Werbung