„Dialog mit dem Islam“ zur interkulturellen Öffnung im Gesundheitswesen“

Über 20 Gäste kamen am Donnerstagabend des 5.5. zum „Dialog mit dem Islam“ in den großen Saal der Essener VHS. Es war die zweite Veranstaltung dieser Art im Jahr 2022. In Anbetracht des warmen Frühlingswetters erfüllte die gut besuchte Veranstaltung durchaus die Erwartungen der Veranstalter. Die Veranstaltungsreihe wurde auf Initiative vom KIM-E (Kommission Islam und Moscheen in Essen e.V.) und der Stadt Essen ins Leben gerufen. Sie umfasst nicht nur Vorträge und Diskussionen, sondern auch verschiedene Exkursionen und  Sprachunterricht für spezielle Zielgruppen. Für die Stadt Essen engagieren sich die Volkshochschule (VHS) und das Kommunale Integrationszentrum – abgekürzt KI.

In seinem Grußwort verdeutlichte der Gastgeber und Direktor der VHS Essen, Michael Imberg, nicht nur die Wichtigkeit dieser Veranstaltungsreihe, sondern baute auch in Form eines persönlichen Erlebnisses mit dem Gesundheitswesen im Ausland eine Brücke zum Thema des Abends und dem aus Berlin angereisten Referenten. Herr Zeki Caglar, Geschäftsführer der Bedcon GmbH (www.bedcon.net), die gerade in Essen ein Büro eröffnet hat, kümmert sich hauptberuflich um die Vorbereitung von MigrantInnen und Geflüchteten auf den ersten Arbeitsmarkt. Der interkulturelle und interreligiöse Brückenschlag – seine Firma bietet auch muttersprachliches Coaching in 15 verschiedenen Sprachen an – ist somit seine tägliche Arbeit.

An diesem Abend ging es in seinem Impulsvortrag allerdings um eines der ersten interkulturellen Gesundheitsprojekte in deutschen Kliniken, das er zusammen mit mehreren MitinitiatorInnen im Jahr 2014 an der Berliner Charité angestoßen und infolge begleitet hatte. Die „Geschäftsstelle Interkulturelle Kompetenzen“ ist inzwischen an der Berliner Charité etabliert; Details sind unter folgendem Link abrufbar: https://interkulturelle-kompetenz.charite.de/ . Zunächst wurde deutlich, dass es eines persönlichen Impulses bedurfte, den Herr Caglar in Form einer Erkrankung im engsten privaten Umfeld erlebte. Dieser Impuls kam vom behandelnden Professor – ebenfalls mit Migrationshintergrund – der dem Organisationsentwickler und Trainer seine Vision von einem interkulturell ausgerichteten Krankenhaus vermittelte. Er war infolge auch Unterstützer, Fürsprecher und Türöffner, um die nun startende und über Jahre sich entwickelnde kulturelle Veränderung in der Patientenversorgung anzustoßen. Es wurde schnell deutlich, dass es hier – über den irgendwann erteilten offiziellen Auftrag einer Analyse und eines Konzeptes hinaus – viel persönlichen Engagements bedurfte, um zunächst Problembewusstsein und Veränderungswillen bei den Entscheidern zu schaffen. Zudem war eine wachsende und schließlich beeindruckend große Zahl von Unterstützern vonnöten, die viel Engagement und Zeit investiert haben, um langsam aber sicher etwas zu verändern. Dass hier auch heute noch viel Verbesserungspotential vorhanden ist, wurde ebenso deutlich.

Die Teilnehmenden zeigten sich über 2 Stunden sehr diskussionsfreudig und brachten viele persönliche Beispiele ein, die die Notwendigkeit der verstärkten Berücksichtigung eines interkulturellen Ansatzes in diesem sensiblen Lebensbereich verdeutlichten.

Viele Fragen und Diskussionspunkte zu diesem Thema wurden im Anschluss an einzelnen Tischen im Foyer erörtert. Bei einem kleinen Imbiss und Getränken, die deinKult Café aus dem KD 11/13 erneut sehr schmackhaft und natürlich „halal“ vorbereitet hatte, wurde die Veranstaltung als gelungen und ihre regelmäßige Fortführung als wichtig bewertet.

In Erinnerung bleibt ein fast dreistündiger und doch kurzweiliger Abend, bei dem die persönliche Begegnung und der direkte Dialog im Vordergrund standen. Die Räumlichkeiten der VHS boten im Hinblick auf den gebotenen Abstand und den Hygieneschutz den perfekten Rahmen für eine offene und erfrischende Diskussion.

Essen, den 9.5.2022 – Andreas R. Crüsemann / Fotos: KIM-E

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