Freitags-Predigt vom 26.04.2019

Sensibilität für Erlaubtes und Verbotenes ‎
(Halal und Haram)‎

Meine Geschwister! Verehrte Gläubige!‎

Der Mensch ist das wichtigste Glied des ‎Ökosystems und muss für den Erhalt seines Lebens ‎seine Grundbedürfnisse decken. Hierbei steht das ‎Bedürfnis an reiner und nützlicher Nahrung an ‎erster Stelle. ‎

Erlaubtes (Halal) sind schöne Dinge, die dem Sinn ‎und Zweck der Schöpfung entspricht und sie sind ‎religiös (zur Nutzung oder zum Verzehr) ‎freigegeben. Verbotenes (Haram) hingegen sind ‎schändliche Dinge, die die Würde und Ehre des ‎Menschen verletzen, den Menschen schädigen und ‎religiös untersagt sind. Der Mensch ist Reisender ‎auf einem schwierigen und anstrengenden Weg, ‎der auf dieser Welt beginnt und dessen Ende im ‎Paradies geplant ist. Indem der Mensch den Weg ‎seines unerbittlichen Widersachers, des Teufels, ‎meidet und den Weg Allahs befolgt, errichtet er ‎sowohl sein irdisches, als auch sein jenseitiges ‎Leben.‎

Meine Geschwister!‎

Der erhabene Allah hat den Menschen auf ‎schönste Weise erschaffen1 und den Menschen ‎nicht ausweglos verkommen und verwahrlosen ‎lassen. Die Barmherzigkeit Allahs erfordert, ‎ dass Er Lösungsvorschläge für alle Probleme, ‎die dem Mensch während seiner Reise auf der Welt ‎widerfahren, unterbreitet. Der erhabene Allah, Der ‎uns aus dem Nichts erschaffen hat, ist jederzeit am ‎Erschaffen und greift zu jeder Zeit in unser Leben ‎ein. Er greift deshalb auch in unsere Arbeit als auch ‎in unsere Speiseregeln ein. Von Allah gezogene ‎Grenzlinien sind keine Einschränkung unserer ‎Freiheit sondern sie dienen vielmehr dafür, dass ‎wir ethisch reifen, geistig frisch, körperlich gesund ‎und spirituell frei sind.‎

Wenn der Koran – als Wegweisung für unser Leben ‎‎-die Prinzipien der Ernährung behandelt, wird uns ‎nahegelegt, dass wir besonders sensibel und ‎feinfühlig sein sollten, wenn es darum geht, ob ‎unsere Nahrung, aus religiöser Sicht erlaubt, aus ‎medizinischer Sicht rein und für unser Wohl ‎erträglich und nützlich ist.‎

Nach dem Koran sind demnach das Fleisch von ‎selbst verendeten Tieren, sowie auch das Fleisch ‎vom Schwein, wie auch weitere aus dem Schwein ‎gewonnene Produkte verboten (Haram). Tiere, die ‎nicht im Namen Allahs geschlachtet wurden, sind ‎ebenfalls verboten, da dieses mit dem Prinzip des ‎Monotheismus (Tauhid) nicht vereinbar ist. Alle ‎Arten von Alkohol und Drogen, die den Verstand ‎und Willen des Menschen lahmlegen und folglich ‎das Menschsein des Menschen zeitweise oder ‎bleibend annullieren oder aufheben, sind ‎verboten. Einkommen, das ohne etwas dafür zu ‎leisten und ohne sich dafür anzustrengen verdient ‎wird, sowie Glücksspiele und glücksspielähnliche ‎Aktivitäten sind nicht erlaubt.3 Einnahmen, die ‎durch Betrügerei und Täuschung zu Unrecht erzielt ‎wurden, sind gemäß unserer Religion verboten.4 ‎Der Islam legt einen so großen Wert auf das ‎Menschenleben, dass in einer lebensbedrohlichen ‎oder genötigten Situation diese Verbote mit der ‎Voraussetzung ausgesetzt werden, dass der ‎Konsum nicht ausgenutzt und das Maß zur ‎Lebensbewahrung nicht überschritten wird.5 Dieser ‎wichtige Fakt zeigt, dass der Islam ein System ‎beherbergt, dass nicht den Tod, sondern das Leben ‎in den Mittelpunkt stellt.‎

Meine Geschwister!‎

Es ist besonders wichtig, dass im edlen Vers: „Esst ‎von dem, was euch Allah bescherte, das Erlaubte ‎und Gute.“6 neben der erlaubten Nahrung auch ‎ihre Reinheit und Nützlichkeit erwähnt wird. ‎Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass ‎die Nahrungen, die bei richtigem und ‎angemessenem Konsum erlaubt sind, bei ‎extremem und unbewusstem Konsum jedoch ihre ‎Eigenschaft der „Sauberkeit und Nützlichkeit“ ‎verlieren und zu Nahrung mit schädlicher Wirkung ‎werden können. Nahrungen, die in einem ‎unhygienischen Umfeld erzeugt werden, oder mit ‎Zusatzstoffen versehen sind, deren Zweck nicht ‎das Wohl des Menschenlebens ist, sondern die das ‎Haltbarkeitsdatum für die Regale verlängern sollen, ‎bedrohen unsere Gegenwart, unsere Zukunft und ‎vor allem unsere Nachkommen. Natürlich gilt dies ‎besonders für Nahrungsmittel, deren genetische ‎Struktur verändert wurde und die den Menschen ‎zum Spielzeug von Versuchen machen.‎

So wie wir für unser Auto den Kraftstoff tanken, ‎den der Autohersteller festgelegt hat, sind wir ‎Menschen auch gezwungen, die Nahrungen zu uns ‎zu nehmen, die unser Schöpfer für unseren Körper ‎festgelegt hat. In einer Redewendung heißt es: “Du ‎bist was du isst.‎” Die Nahrungsmittel, die wir ‎zu uns nehmen, wirken sich somit unmittelbar auf ‎unser Leben aus und entscheiden mit, wie wir ‎leben und sterben werden. Nach Angaben der ‎Weltgesundheitsorganisation (WHO)7 verlieren ‎jährlich 16 Millionen Menschen aufgrund Herz- ‎und Gefäßkrankheiten (kardiovaskulärer ‎Krankheiten) und annähernd 8 Millionen ‎Menschen aufgrund von Krebs ihr Leben. In ‎Europa gibt es 25 Millionen Diabeteskranke und ‎ungefähr 200 Millionen Menschen in Europa ‎laufen Gefahr an Fettleibigkeit (Adipositas) zu ‎erkranken. Diese Zahlen zeichnen uns leider ein ‎düsteres Bild. ‎

Wir wissen alle, wie sehr der Gesandte Allahs seine ‎Kinder und Enkel liebte. Jedoch wissen wir auch, ‎dass der Prophet seinem jungen Enkelkind, eine ‎Dattel wieder aus dem Mund nahm, da diese ‎Dattel, nicht ihnen gehörte.8

Auch wir sollten diese Sensibilität des Gesandten ‎Allahs, sowohl beim Verdienst als auch beim ‎Ausgeben nicht aus dem Sinn verlieren. Geld ist ‎natürlich ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. ‎Allerdings ist der Glaube in unseren Herzen und die ‎Verantwortung gegenüber unseren Lieben um ‎ein Mehrfaches wertvoller. Möge Allah, der ‎Erhabene, uns eine unerschütterliche Sensibilität ‎für Erlaubtes (Halal) und Verbotenes (Haram) ‎schenken. Möge Allah, der Erhabene, es uns ‎erlauben, unser Leben auf ehrlichem und ‎erlaubtem Wege zu bestreiten und das Verdiente ‎auch auf diesem Weg für uns und unsere Lieben ‎auszugeben.‎

Die DITIB-Predigtkommission

1 Koran, at-Tin, 95/4
2 Koran, ar-Rahman, 55/29
3 Koran, al-Maide, 5/90
4 Koran, an-Nisa, 4/29
5 Koran, al-Baqara, 2/173
6 Koran, al-Maide, 5/88; Koran, an-Nahl, 16/114
7 Zeitschrift Gimdes (Dergisi), Dezember, 2010
Nr.: 15; https://ec.europa.eu/eurostat/documents/2995521/7700903/3-20102016-BP-DE.pdf/70d4d04a-f24b-47dc- b69d-e3a677774480; http://ec.europa.eu/health/newsletter/114/focus_newsletter_de.htm;            

8 al-Bukhari, Zakat 60

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de