Freitags-Predigt vom 11.05.2018

Der Monat Ramadan und das Fasten

Meine verehrten Geschwister!
Lob und Dank sei Allah, dem Erhabenen, der uns als Muslime den gesegneten Ramadan, die Saison der Barmherzigkeit und Vergebung, erreichen läßt. Segen und Frieden sei auf unseren gesegneten Propheten, der uns lehrte, dass das Fasten eine Schule und ein Freund ist, die unseren Geist bereichern.

Wenn Allah es uns gewährt, werden wir in der Dienstagnacht das erste Tarawihgebet verrichten und am Mittwoch werden wir mit unserem Fasten beginnen. Damit wird der Ramadan eingeläutet sein. Ich gratuliere ihnen schon jetzt zu ihrem Monat Ramadan. Ich wünsche von Allah, dass alle unsere Gottesdienste angenommen werden und dass wir maximal vom Monat Ramadan profitieren mögen.

Verehrte Gläubige!
Im edlen Koran wird berichtet, dass das Fasten den früheren Gemeinschaften auch vorgeschrieben war.1 Der Gottesdienst des Fastens ist ein Gebot der monotheistischen Religionen und ist obligatorisch für Muslime, die die geistige und sinnliche Reife erlangt haben und für die entsprechende zulässige hindernde Umstände wie Krankheit und Reise nicht vorhanden sind. Ein Muslim, der sein Fasten nicht einhält obwohl er keine gültigen Hinderungsgründe hat, hält seine Aufgaben gegenüber Allah nicht ein. Somit entbehrt man sich vom Segen und von der Gnade des Ramadans, die sich auf das ganze Jahr verteilen. Unser geliebter Prophet (s) brachte dieses wie folgt zum Ausdruck: “Wer ohne krank zu sein oder ohne einen Hinderungsgrund einen Tag im Ramadan nicht fastet, wird dieses Fasten nicht ersetzen können auch wenn er später alle sonstigen Tage im Jahr fasten würde.”2

Meine Geschwister!
Der Ramadan ist nicht nur ein Monat des Gottesdienstes und des Gehorsams , sondern auch ein Erziehungsmonat. Mit unserem Fasten lernen wir die Geduld, mit unserem Fastenbrechen lernen wir den Dank und mit unserem Zakat und unseren Spenden (Sadaqa) lernen wir das Teilen. An unserem Horizont geht der Monat Ramadan mit all seinen Schönheiten auf, in der die Freude und Fröhlichkeit des Ramadans unsere ganze Welt umschließt. Ohne nach Religion, Sprache, mystische Tradition und Rechtsschule zu unterscheiden, sollten wir im Ramadan unser Verhältnis und unsere Verantwortungen gegenüber allen Nachbarn, Verwandten und Geschwistern überprüfen.

So wie der edle Koran die Menschheit von den Finsternissen zum Licht leitete, sollten auch wir diesen Monat dazu nutzen, unsere Herzen, die durch böse und schädliche Empfindungen wie Hass, Groll und Wut zu verfinstern drohen, erneut mit dem Koran erleuchten. Wir sollten uns an unsere Geschwister, die überall auf der Welt durch Hunger und Knappheit geprüft werden, erinnern und ihnen dringendst unser helfende Hand ausstrecken während wir an unseren Tafeln unser Fasten brechen.  In diesem Monat erreichen Empfindungen wie Wohl, Liebe, Barmherzigkeit, Teilen und Fürsorge ihren Gipfel in unseren Herzen. Daher sollten wir bei unseren Bittgebeten nicht nur für uns selbst beten, sondern Allah um das Wohl der ganzen islamischen Welt und um Frieden und Wohl für die ganze Menschheit bitten.

Meine werten Geschwister!
In einem solchen Umfeld bieten der Ramadan und das Fasten, die alljährlich kommen um unsere Herzen und unsere Wohnorte zu erleuchten, eine großartige Möglichkeit, uns selbst von Habgier, Begehren und Begierden zu befreien. Der Ramadan und das Fasten erinnern uns daran, dass alles, was wir bereits besitzen, eigentlich nicht uns gehört sondern die dinglichen und spirituellen Gaben eine Prüfung für uns darstellen. Der Ramadan und das Fasten lassen uns erkennen, dass die Welt vergänglich, aber das Jenseits ewig und bleibend ist. Der Ramadan lehrt uns, dass der eigentliche Reichtum nicht die Fülle von Eigentum darstellt, sondern spirituelle Sättigung der wahre Reichtum ist. Der Ramadan verkündet, dass der Weg zum Glück auf der Welt und die Errettung im Jenseits nicht durch Anhäufung von Vermögen gewährleistet werden kann, sondern durch das Gewinnen von Herzen und das Ansammeln von Bittgebeten Anderer möglich ist.

Meine verehrten Geschwister, kommen sie! Lassen wir es zu, dass unser Fasten und unsere sonstigen Gottesdienste uns von allem Bösen erretten und uns zu Gläubigen werden lässt, die bescheiden und dankend sind. Kommen sie und lassen sie uns unsere Herzen dem Ramadanübergeben.

Ich möchte meine Freitagspredigt mit einer Verheißung unseres geliebten Propheten (s) beenden: “Alle vergangenen Sünden desjenigen, der -an den Segen des Monats Ramadans glaubend und die Belohnung von Allah erwartend- den Monat Ramadan begeht, werden vergeben.3

Die DITIB-Predigtkommission

1 Koran, al-Baqara, 2/185
2 Abu Dawud, Sawm, 38
3 al-Bukhari, Iman, 28

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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