Freitags-Predigt vom 27.10.2017

Wirtschaftsethik: Aufrichtigkeit im Handel

Unser Prophet (s) ging von Zeit zu Zeit auf den ‎Markt von Medina. Er beobachtete dort die ‎Menschen beim Ein- und Verkauf und ihrem ‎Handel und führte dort Gespräche mit ihnen. Er ‎ermahnte diejenigen, die falsche Haltungen ‎vertraten und nicht korrekt handelten. ‎Schließlich sind folgende Verse Allahs, des ‎Erhabenen, die lebenswichtige Ermahnungen ‎zum Handel beinhalten, offenbart worden: ‎‎“Wehe denen, die das Maß verkürzen, die, ‎wenn sie sich von den Leuten zumessen lassen, ‎volles Maß verlangen, wenn sie ihnen jedoch ‎zumessen oder wiegen, weniger geben. Glauben ‎jene etwa nicht erweckt zu werden an einem gewaltigen Tag, dem Tag, an dem die ‎Leute vor dem Herrn der Welten stehen?”1‎

Nachdem diese Verse herabgesandt wurden, ‎verhielten sich die Gläubigen unter der ‎Anleitung unseres Propheten noch sensibler und ‎aufmerksamer im Handel.2 Der Gesandte Allahs ‎freute sich über diese Reaktion. Mit dem Gebet ‎‎“O Allah! Segne die Maße und Waagen von ‎ihnen, und segne ihren Handel!” ermutigte er ‎sie zum Handel.3‎

Der Gesandte Allahs sagte: “Der aufrichtige und ‎vertrauenswürdige Händler wird zusammen mit ‎den Propheten, aufrichtigen Personen und ‎Märtyrern zusammen sein.”4 Wie aus diesem ‎Hadis ersichtlich, ist es ein wichtiges ethisches ‎Prinzip, im Handel ehrlich und transparent zu ‎sein. Das folgende Ereignis ist das beste ‎Beispiel hierfür: Einer der Gefährten kam zum ‎Propheten, um ihn einige Dinge zu fragen, die ‎ihn beschäftigten. Nachdem der Gesandte ‎Allahs ihm aufmerksam zuhörte, erteilte er ihm ‎folgenden Ratschlag (Nasiha): “Wenn du etwas ‎kaufen möchtest, biete den Preis an, den du ‎zahlen kannst! Und wenn du etwas verkaufen ‎möchtest, unterbreite nicht einen hohen Preis, ‎sondern den Marktwert!”5

Unser Prophet ermahnte uns mit seinem Hadis: ‎‎“Es ist für einen Muslimen nicht erlaubt (halal), ‎eine makelbehaftete Ware zu verkaufen ohne ‎dessen Makel offengelegt zu haben.”6, denn das ‎Verbergen des Makels einer Ware wird den ‎Segen des Handels und das Vertrauen unter den ‎Menschen zunichtemachen. Schließlich hat der ‎erhabene Allah mitgeteilt, dass bestimmte ‎Völker vernichtet wurden, weil sie sich im ‎Handel nicht aufrichtig verhalten haben und ‎dadurch Chaos auf der Welt hervorgerufen ‎haben.7‎

Eines der grundlegenden Prinzipien der ‎Wirtschaftsethik ist es, darauf zu achten, dass ‎der Verdienst rechtens (halal) ist. Ein Gläubiger, ‎der weiß, dass er eines Tages ganz bestimmt ‎ ‎zur Rechenschaft gezogen wird, darf seinen ‎Verdienst nicht mit Unerlaubtem vermischen. In ‎diesem Sinne ist es für den Muslimen nicht ‎erlaubt (halal), Dinge, die Allah, der Erhabene, ‎verboten hat, zu kaufen und zu verkaufen. ‎Alkoholische Getränke, Drogenhandel, ‎Glücksspiele zu spielen, andere spielen zu lassen, ‎Steuerhinterziehung, und viele ähnliche Dinge ‎sind von Muslimen zu meiden.‎

Wie in allen anderen Bereichen unseres ‎Lebens, sollten wir auch im Handel versuchen, ‎das Wohlwollen Allahs, des Erhabenen, zu ‎erlangen. Lassen sie uns folglich unseren ‎Verdienst auf Aufrichtigkeit und Innigkeit ‎aufbauen. Lassen sie unsere Mahlzeiten und ‎unser Leben noch gesegneter gestalten, indem ‎wir mehr auf das Recht unserer Mitmenschen ‎achten. Lassen sie uns folgenden Hadis unseres ‎Propheten zum Maßstab in unserem Handel ‎machen: “Der weltliche Besitz ist süß und ‎anziehend. Wer diesen auf genügsame Art ‎nimmt, für den wird dieser Besitz zum Segen. ‎Wer diesen habsüchtig und begierig nimmt, für ‎den wird der Segen abhandenkommen.”8

Die DITIB-Predigtkommission

1 Koran, al-Mutaffifin, 83/1-6‎
2 Ibn Madscha, Tidscharat, 35‎                                              ‎
3 al-Bukhari, Buyu, 53‎                                                          ‎
‎4 at-Tirmidhi, Buyu, 4‎                                                           ‎
5 Ibn Madscha, Tidscharat, 29‎
6 Ibn Madscha, Tidscharat, 45
7 Koran, Hud, 11/84-95
8 al-Bukhari, Zekat, 50

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de