Freitags-Predigt vom 14.07.2017

Missbrauch der religiösen und menschlichen ‎Werte

In dem am Anfang rezitierten Vers sagt Allah, ‎der Erhabene: “Und wenn man zu ihnen sagt: ‎‎„Stiftet nicht Unheil auf der Erde!“ sagen sie: ‎‎„Wir sind ja nur Heilstifter“. Dabei sind doch ‎eben sie die Unheilstifter, nur merken sie ‎nicht.”1

Wie auch aus dem Vers ersichtlich, wurden ‎das größte Unheil während der ganzen ‎Menschheitsgeschichte im Namen der ‎Heilsstiftungen (Islah) durchgeführt. Das ‎größte Verderben ist es, wenn die erhabenen ‎Werte der Religion missbraucht werden und ‎dadurch die Menschen in die Irre geführt ‎werden. Schließlich hat unser Prophet (s) in ‎einem Hadis gesagt: “Wer uns betrügt, ist nicht ‎von uns.”2

Verehrte Gläubige!‎

Während des ganzen geschichtlichen ‎Prozesses hat es stets Missbrauch der ‎religiösen und spirituellen Werte als ‎gefährlichen Virus gegeben. Besonders dann, ‎wenn die muslimische Gesellschaftsstruktur ‎geschwächt war, hat der Missbrauch eine ‎umstürzende Wirkung aufgezeigt. Das ‎‎“Betrügen” bildet das Rückgrat der Heuchlerei ‎und des Missbrauchs als größtes Unheil. ‎Anders zu erscheinen als man in Wirklichkeit ‎ist, zu lügen oder ähnliche Haltungen und ‎Handlungen auszuführen, hat immer zum Ziel ‎und Zweck, den Anderen zu betrügen. ‎Allerdings werden im Koran diejenigen, die ‎denken, andere betrogen zu haben, als ‎diejenigen entlarvt, die eigentlich nichts ‎anderes erreichen, als sich selbst zu betrügen. ‎Im betreffenden edlen Vers sagt unser ‎erhabener Allah folgendes:‎

“Sie wollen Allah und die Gläubigen ‎betrügen, doch sie betrügen nur sich selbst ‎und wissen es nicht.”3‎

Schließlich erklärt der Prophet (s) die Situation ‎dieses Hin- und Hergehens durch ein ‎Gleichnis: “Der Heuchler ist so wie ein Lamm, ‎der zwischen zwei Herden hin und herläuft. ‎Mal geht es zur einen, mal zur anderen Herde ‎und weiss nicht, welcher Herde es sich ‎anschließen und folgen soll.”4

Der edle Koran stellt uns den Sprachgebrauch ‎der Heuchler und Missbraucher wie folgt vor: ‎‎“Oder meinen diejenigen, in deren Herzen ‎Krankheit ist, Allah würde ihren Groll nicht ‎zum Vorschein bringen? Und wenn Wir ‎wollten, würden Wir sie dir fürwahr zeigen, ‎und so würdest du sie sicher an ihrem ‎Merkmal erkennen. Und du wirst sie ganz ‎gewiß an ihrer schiefen Sprache erkennen. ‎Und Allah weiß über eure Werke Bescheid.”5

Diese Verse und Hadise verdeutlichen uns, ‎dass Taten und Handlungen, die sich nicht auf ‎aufrichtige Absichten stützen letztendlich zu ‎nichts außer Leid und Reue nützen. ‎Diejenigen, die verschiedene Gaben und ‎Möglichkeiten wie Gottesdienste, Wissen und ‎Reichtum nur zur Imponierung und andere ‎Ziele einsetzen, werden am Tag des Gerichts ‎vor Allah aufgrund dieser Taten geleugnet ‎werden und erniedrigt in die Hölle gelangen.6

Das heißt, dass diejenigen, die die erhabenen ‎Werte der Religion missbrauchen und für ihre ‎weltlichen Interessen instrumentalisieren, egal ‎welche Identitäten sie haben und egal was sie ‎gemacht haben,am Jüngsten Tag gerügt ‎werden, indem ihnen vorgehalten wird, dass ‎sie lügen und sie werden der Strafe nicht ‎entkommen können.‎

Um dem Missbrauch der religiösen und ‎menschlichen Werte zuvorkommen zu können ‎ist es erforderlich, dass wir uns die ‎Botschaften des edlen Korans und unseres ‎Propheten zum Wegweiser machen. Wir ‎dürfen unseren Verstand, unser Herzen und ‎unser Gewissen, die Gaben von Allah an uns ‎sind, nicht für religiöse oder weltliche Vorteile ‎und Interessen einsetzen, sondern es ist ‎erforderlich, dass wir unsere Taten und ‎Handlungen mit aufrichtigen und innigen ‎Absichten durchführen.‎

Ich beende unsere Freitagspredigt mit einem ‎Hadis unseres geliebten Propheten, der die ‎Bedeutung der Aufrichtigkeit und Innigkeit ‎unterstreicht und die schlimmen Folgen des ‎Missbrauchs von religiösen Werten vermittelt: ‎‎“Wer Wissen, das zur Erlangung des ‎Wohlwollens von Allah nur deshalb erlernt, ‎damit er Weltliches erlangt, wird am Jüngsten ‎Tag nicht einmal den Wohlgeruch des ‎Paradieses riechen können.”7‎

Muhammed Baki Tuncel
Religionsbeauftragter, DITIB Alzey Moschee

1‎ al-Baqara, 2/11-12
2 al-Muslim, Iman, 164‎
3 Koran, al-Baqara, 2/9‎
4 al-Muslim, Sıfatü’l-Munafiqin, 17
5 Koran, Muhammed, 47/29-30
6 al-Muslim, Imara, 152
7 Abu Dawud, Ilim 12; Ibn Madscha, Muqaddima 23

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

Advertisements