Freitags-Predigt vom 07.07.2017

Pflege der Verwandschaft

Verehrte Gläubige!

‎In diesen Tagen beginnen die Ferien in den Schulen. Aus diesem Grund werden viele von uns hier ‎bleiben aber auch werden sich viele andere von uns auf lange Reisen begeben um – so Allah will – ‎die Eltern, Großeltern und Verwandten zu besuchen. Wir wünschen schon jetzt eine angenehme ‎Reise für diejenigen Geschwister, die sich auf den Weg machen werden. Möge Allah ihnen ‎ermöglichen, ohne Panne, Unfall, oder Unglück wieder zurückzukehren. Aufgrund dieser Besuche ‎werden in den Familien, zwischen den Verwandten und unter Freunden angenehme Gespräche ‎und Erinnerungen sowie ein starkes Band entstehen. Dieses Band, auf das unsere Religion ‎besonders Wert legt, ist das Verwandtschaftsband, das unter dem Begriff „Silatu´r-Rahim“  ‎bekannt ist.

Unsere Religion, der Islam, legt einen großen Wert auf die Beziehungen mit der eigenen ‎Verwandtschaft, also auf „Silatu´r-Rahim“. Allen voran gegenüber der eigenen Familie, sowie den ‎nahen Verwandten gütig zu sein und zu helfen, sie zu besuchen und sich ihrer anzunehmen, das ‎Band der Verwandtschaft zu stärken und zu bewahren und Freuden und Kummer zu teilen ‎bedeutet: „Silatu´r-Rahim“. Wenn wir unsere Geschichte und die fundierte Zivilisation untersuchen, werden wir feststellen, ‎dass die Bewahrung und Aufrechterhaltung der Verwandtschaftsbande einer unserer größten ‎Werte ist.

Wenn wir die Geschichten über die Propheten (s) im edlen Koran lesen, stellen wir fest, wie ‎gewissenhaft die Propheten die Verwandtschaftsbande gepflegt haben und wie sensibel sie sich ‎hierzu verhalten haben. Diese Sensibilität der früheren Propheten weiterführend, hat auch unser ‎geliebter Prophet (s) zu jedem Anlass die Notwendigkeit ausgedrückt, die Verwandtschaftsbande ‎stabil und aufrecht zu erhalten und sich selbst hierzu vorbildlich verhalten.

Eines Tages kam ein Gefährte zum Gesandten Allahs und sagte: „O Gesandter Allahs! Kannst du ‎mir von einer Tat berichten, die mich dem Paradies nähert und die mich vom Höllenfeuer ‎entfernen lässt?“ Unser Prophet antwortete: „Du verrichtest Allah gegenüber deinen Gottesdienst, ‎gesellst Ihm Niemanden bei, verrichtest sorgfältig das Gebet, entrichtest die Pflichtabgabe (Zakat) ‎und besuchst deine Verwandten.“ Als sich der Mann von dort verabschiedete, sagte der Gesandte ‎Allahs: „Wenn er die Gebote einhält, wird er ins Paradies eintreten.“1

Meine geehrten Geschwister!

‎Heutzutage entwickelt sich die Technologie rasch und die Entfernungen verkürzen sich rasant. ‎Gegenüber gestern können wir heutzutage viel einfacher das Wohlbefinden unserer Familie, ‎unserer Lieben und unserer Nächsten erfragen. Trotzdem versäumen wir es, uns um uns selbst, um ‎unsere Familien und um unsere Verwandten zu sorgen und bewegen uns stetig in Richtung von ‎Egoismus, Vereinsamung und eines einsamen Lebens. Jedoch gibt es viele von unseren ‎Verwandten, Familien und Eltern, die sehnlichst auf den Besuch von ihren Nachkommen warten. ‎Sehr viele Verwandte warten darauf, dass ihre verwundeten Herzen mit einem Gruß oder mit ‎einem Lächeln geheilt werden.

Meine verehrten Geschwister!

Lassen sie uns folglich bei unserer Verwandtschaftssorge und bei unseren Besuchen unsere Kinder ‎mitnehmen. Das ermöglicht ihnen in den Genuss zu kommen, unsere Mütter und Väter gemeinsam ‎zu besuchen und ihre Bittgebete ernten zu können. Lassen sie unseren Kindern diese Momente ‎erleben. Lassen sie uns unsere Nachbarn und Verwandten besuchen und unsere Beziehungen mit ‎ihnen intakt halten, damit unsere Kinder durch uns erlernen, ihre Großen zu besuchen und ihre ‎Bittgebete zugesprochen zu bekommen. Ich möchte meine Predigt mit einem Hadis unseres ‎geliebten Propheten beenden, der die Stärkung der Verwandtschaftsbande als eine Voraussetzung ‎des Glaubens ausdrückt: „Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der möge sich um seine ‎Verwandten sorgen.“2 „Wer möchte, dass seine Gaben (Rizq) reichhaltiger werden, oder dass sein ‎Leben gesegneter ist, der möge die Beziehung mit der Verwandtschaft pflegen und aufrecht ‎erhalten.“3 „Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der möge seine Besucher bewirten. Wer ‎an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der möge die Beziehung mit der Verwandtschaft pflegen ‎und aufrecht erhalten…“4

Mesut Bayar,
Religionsbeauftragter Uways al-Qarani Moschee, Worms

1 Al-Muslim, Iman, 4
2 al-Bukhari, Ilim, 37
3 al-Muslim, Birr,20; al-Bukhari, Adab,12
4 al-Buhari, Edeb, 85

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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