Freitags-Predigt vom 30.06.2017

Die beste aller Taten

Geehrte Muslime!‎

Wir sind betrübt, noch einen Ramadan, der ‎mit all seinen schönen Werten unsere Seele ‎umschlossen und unser Ego geläutert hat, ‎verabschiedet zu haben. Trotz dieses ‎betrübenden Abschieds, hinterlässt der ‎Monat Ramadan  bleibende Spuren in den ‎Herzen der Gläubigen. Nun ist es Zeit, die im ‎Ramadan angeeigneten schönen ‎Angewohnheiten zu bewahren, zu ‎praktizieren und unser ganzes Leben lang ‎fortzuführen.‎

Meine geehrten Geschwister!‎

Wir haben im Ramadan vor allem Durst und ‎Hunger erlebt und versucht, die Situation der ‎Bedürftigen und Alleingelassenen zu ‎verstehen. Unsere Sensibilität wurde ‎gesteigert und wir hatten das Glück, die ‎Probleme der Bedürftigen und ‎Alleinstehenden erleben zu dürfen. Werden ‎wir -weil der gesegnete Ramadan zu Ende ist- ‎nun davon ausgehen, dass auch die ‎Bedürfnisse dieser Bedürftigen nicht mehr ‎vorhanden sind und werden wir deshalb ‎schlussfolgern, dass auch unsere ‎Verantwortungen nicht mehr bestehen?‎

Einen Monat lang haben wir versucht, ‎unseren Charakter zu verbessern. Manchmal ‎hat unser Ego uns besiegt; aber bestärkt ‎durch die spirituelle Kraft dieses Monats ‎haben wir uns aufgrund unseres Glaubens ‎erneut aufgeraffen und besinnen können. ‎Wir haben unser Verhalten verbessert; wir ‎haben unsere Augen vor dem Anblick des ‎Verbotenen (haram), unsere Ohren vor ‎bösen Worten und unsere Zunge vor leeren ‎Worten bewahrt. Werden wir nun, weil der ‎gesegnete Ramadan zu Ende ist, uns von ‎diesen schönen Dingen auf einmal ‎abkehren?‎

Werte Muslime!‎

Dem Gebot: “Und haltet fest an Allahs Seil ‎‎[dem Koran] allesamt und zerfallt nicht”1 ‎gehorchend, haben wir die Gegenlesetradition ‎‎(Muqabala) eingehalten. Wir haben versucht, ‎den edlen Koran zu verstehen und in ‎unserem Leben umzusetzen.  Werden wir ‎ -weil der gesegnete Ramadan zu Ende ist- nun ‎den edlen Koran in eine Ecke verdrängen, ‎uns von ihm abkehren und dieses spirituelle ‎Seil zur Rechtleitung loslassen?‎

Mit dem Fasten im segensreichen Ramadan ‎haben wir nochmals unsere Geduld und ‎unsere Ausdauer geschult. Werden wir mit ‎dem Ende des Ramadans, uns wieder in ‎Ungelduld kleiden?‎

Natürlich ist unsere Antwort auf all diese ‎Fragen ein klares “Nein!” Diese Antwort ‎wird –so Allah will– uns den Weg für unser ‎Leben nach dem Ramadan weisen.‎

Das Fazit, geehrte Muslime, ist folglich!‎

Wir sollten uns dem Wert der Gaben und ‎dem Wert unseres Lebens bewusst sein. Die ‎im Monat Ramadan angeeigneten Werte und Angewohnheiten auf unser ganzes Leben ‎auszuweiten, wird natürlich die beste Tat ‎sein, die wir ausführen können, um unser ‎Leben glücklich und im Bewusstsein unserer ‎Verantwortungen führen zu können. Es ist ‎erforderlich, unser Bewusstsein des ‎Gottesdienstes und der Dienerschaft im ‎Sinne des Verses: “Und diene deinem Herrn, ‎bis die Gewissheit [des Todes] zu dir ‎kommt”2 ständig aufrecht und präsent zu ‎halten. ‎

Als letztes möchte ich daran erinnern, dass ‎wir eine goldene Möglichkeit vor uns haben, ‎wenn wir das Fasten im Monat Schawwal ‎einhalten. Unser geliebter Prophet (s) hat ‎empfohlen, nach dem Ramadanfest sechs ‎Tage im Monat Schawwal zu fasten. Er hat ‎verheißen, dass jemand, der sechs Tage im ‎Monat Schawwal fastet so viel an Wohltaten ‎ernten wird, wie jemand der das ganze Jahr ‎fastend verbracht hätte.‎

Ich möchte meine Predigt mit den folgenden ‎schönen Überlieferungen unseres Propheten ‎beenden: “Bei Allah ist die beste der Taten ‎diejenige, die nachhaltig durchgeführt wird, ‎auch wenn es wenig sein mag.”3 “Solange ‎der Gläubige sich helfend seinen ‎Geschwistern widmet, steht Allah seines ‎Dieners zur Seite…”4‎

Abdülhami Altun
Religionsbeauftragter ‎DITIB Lörrach Moschee

[1] Koran, Ali-Imran, 3/103
[2] Koran, al-Hidschr, 15/99
[3] Abu Dawud, Tatawwu, 27
[4] al-Muslim, Dhikr, 38

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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