Freitags-Predigt vom 31.03.2017

Sich den Waisen und Bedürftigen annehmen ‎und fromm sein

Verehrte Gläubige!‎
In unseren Ritualgebeten gibt es einige Suren, die wir täglich rezitieren. Eine dieser Suren ist die Sure Maun.

Der erhabene Allah sagt in dieser Sure: “Siehst du ‎‎(nicht) denjenigen, der das Gericht für Lüge erklärt? Das ist derjenige, der die Waisen zurückstößt und nicht zur Speisung des Armen anhält. Wehe nun den Betenden, denjenigen, die auf ihre Gebete nicht achten, denjenigen, die dabei (nur) gesehen werden wollen; und die Hilfeleistung verweigern!”1

Am Anfang dieses Kapitels wird von den Polytheisten und deren Eigenschaften gesprochen.  Darauffolgend werden die Heuchler und deren spezifische Eigenschaften erwähnt.

In den Anfangszeiten des Islams grenzten die Polytheisten die alleinstehenden und bedürftigen Waisenkinder in Mekka verachtend aus. Genau wie sie selbst den Waisen  nicht halfen, verhinderten sie die Hilfe anderer Personen.‎‎

Die Heuchler in Medina verrichteten die Gebete nicht in Aufrichtigkeit und Loyalität, sondern trugen ihr Gebet zur Schau und beteten für andere Zwecke. Sie beteten nur in Anwesenheit von Menschen, wenn sie allein waren, setzten sie das Gebet aus.

Verehrte Gläubige!‎

Die Essenz des Islams ist der Glaube und die Aufrichtigkeit. Glaube und Aufrichtigkeit in unseren Gottesdiensten sind schließlich die Ausdruck des Prinzips der Einheit. Denn Allah akzeptiert nur die Taten, die nur für Ihn und nur zum Erzielen Seines Wohlwollens durchgeführt werden.2 Einem Muslim darf seine Umwelt nicht gleichgültig sein. Er darf den Waisen und Bedürftigen nicht übel behandeln. Ohne persönliche Vorteile bezwecken zu wollen, legt der Muslim großen Wert darauf und bemüht sich, für Andere nützlich zu sein, damit sich die gesellschaftliche Solidarität etabliert und nachhaltig besteht.

Der Muslim ist in seinem Gebet und in seinen sonstigen Gottesdiensten nicht nachlässig. Er hält sich fern von Vortäuschung und Scheinheiligkeit. Auch wenn er allein ist, weiß er, dass Allah ihn jederzeit beobachtet. Mit dem Vers: „Ihr werdet die Güte nicht erreichen, bevor ihr nicht von dem ausgebt, was euch lieb ist,“3 ruft sich der Gläubige Solidarität und Hilfsbereitschaft ins Bewusstsein und macht diese zu Grundprinzipien seines Lebens.

Meine Geschwister!‎

Gerichtet an die Menschheit ist das größte Ziel der Religion, Liebe, Solidarität und Partizipation zwischen den Menschen zu gewährleisten. So wie sich die Freude vermehrt wenn man sie teilt, ist es auch ein hohes Ziel der Religion, ein Menschheitsbewusstsein herzustellen, wodurch Nöte durch Teilen gelindert werden. Aus dieser Sicht werden in der Sura al-Maun diejenigen kritisiert, die ihre Aufgaben gegenüber Allah nicht erfüllen. Auf der anderen Seite werden die wahrhaft frommen Menschen ermuntert, Waisen Bedürftigen zu helfen; sowie die Notwendigkeit betont, andere Personen zur Hilfe bedürftiger Personen zu motivieren.

Meine verehrten Geschwister!‎

Letztendlich brauchen wir das Profil eines Muslims, der sich von Scheinheiligkeit fernhält und seine Aufgaben sowohl gegenüber Allah als auch gegenüber den Menschen erfüllt, um zur wahren Erlösung zu gelangen.

Ich beende meine Predigt mit einem Bittgebet unseres Propheten (s):‎ ‎“O Allah! Ich wünsche mir von Dir Rechtleitung, Frömmigkeit, Schamhaftigkeit und Reichtum des Herzens.”4

Abdulkadir Millidere
Religionsbeauftragter, Darmstadt Zentralmoschee

1 Koran, al-Maun, 105/1-7
2 N3142 Nesai, Cihad, 24 (Hadislerle Islam)‎ ‎
3 Koran, Ali Imran, 3/92
4 M6904, Müslim, Zikir, 72 (Hadislerle Islam)

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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