Freitags-Predigt vom 04.11.2016

Gefährte und Freund sein können

Meine verehrten Geschwister!

Wir alle haben Gefährten und Freunde. Die Realität, dass Gefährten- und Freundschaften in den verschiedenen Lebensabschnitten, in der Kindheit, im Arbeits- und im Schulleben Einfluss auf unser Leben haben, ist allgemein anerkannt.

Die Redewendung: “Nenne mir wer deine Freunde sind und ich sage dir, wer du bist”, weist auf genau diese Realität hin. Diese auf fundiertem Wissen und auf Erfahrung beruhende Redewendung haben uns unsere Vorfahren hinterlassen. Hiermit wird die Dimension der wechselseitigen Einwirkung von Freunden aufeinander zum Ausdruck gebracht.

Der Mensch ist ein soziales Wesen ist und kann deswegen sein Leben nicht in Einsamkeit führen. Deswegen, ist es wohl der beste Weg, uns mit hochwertigen Gefährten und Freunden zu umgeben. Die Mahnung unseres Propheten (s): “Der Mensch gehört der Religion seines Freunden an. Folglich sollte jeder darauf achten, mit wem man Gefährten- und Freundschaften schließt”1, deutet darauf hin, dass die beliebige und willkürliche Auswahl von Gefährten und Freunden sowohl auf dieser Welt als auch im Jenseits zu traurigen Folgen führen kann.

Verehrte Gläubige!

“Freunde sind so wie eine Seele in zwei Körpern.” Unsere Freude und unser Kummer gewinnen auch mit unseren Freunden an Bedeutung. Aus diesem Grund möchten wir unsere Freude und unseren Kummer mit unseren Freunden teilen. Wir wissen, dass die Heilung für unsere Leiden in der innigen Zuwendung unserer Freunde verborgen ist. Freunde zeigen uns Auswege, wenn wir in Bedrängnis sind, sie geben uns Ratschläge zum Richtigen und Guten und sie sind immer bei problematischen Situationen bei uns und zeigen uns damit, dass sie unsere “Gefährten und Freunde” sind.

Aber manchmal trennen die schweren Lasten des Lebens auch die Wege der Freunde. Aufgrund verschiedener Gründe kann man auch gegenüber Freunden Ärger empfinden und dies kann sich sogar mit der Zeit zu Groll und Feindschaft entwickeln. Für einen Gläubigen ist es angebracht, sich jedem gegenüber gut zu verhalten. Der Vers: “Nicht gleich sind die gute Tat und die schlechte Tat. Wehre mit einer Tat, die besser ist, (die Schlechte) ab, dann wird derjenige, zwischen dem und dir Feindschaft besteht, so, als wäre er ein warmherziger Freund”2, sowie die Überlieferung des Propheten: “Es ist für einen Gläubigen nicht erlaubt, länger als drei Tage nicht mit jemandem zu sprechen und verkracht zu verbleiben”3, ermahnen uns dazu, die Beziehung zu unseren Gefährten und Freunden nicht abzubrechen.

Geehrte Gläubige!

Auch sollte darauf geachtet werden, die Freundschaften nicht blindgläubig fortzuführen. Es ist Nichts als blinde Gutgläubigkeit, wenn man bei Situationen der Lüge und Ungerechtigkeit hinter dem Freund steht. Denn Freundschaft bedeutet nicht, hinter einer Lüge zu stehen, sondern dem Freund das Rechte und Gute zu empfehlen. Diejenigen, die sich solidarisch in Lüge, Sünde und Ungehorsam verhalten und so ihre Freundschaft weiterführen, können keine wahren Freunde sein.

Im edlen Koran gibt es Freudenbotschaften für diejenigen, die solidarisch in Güte und Aufrichtigkeit sind. Allah teilt mit, dass er am Tag des Jüngsten Gerichts fragen wird: “Wo sind diejenigen, die sich gegenseitig um Allahs willen lieben?” und Er teilt mit, dass ihre Gunst und Belohnung wie folgt sein wird: “An diesem Tag werde ich sie unter dem Schatten meines Thrones beherbergen.”4

Mögen sie zu den wahren Freunden gehören, die sich am Tag des Jüngsten Gerichts unter dem Schatten des Thrones treffen. Ich gratuliere zu Ihrem Freitag und hoffe, dass ihre Freundschaften stets auf Güte und Aufrichtigkeit basieren und fortbestehen.

Die DITIB-Predigtkomission

1 Abu Dawud, Adab, 19; at-Tirmidhi, Zuhd, 45
2 Koran, al-Fussilet, 41/34
3 Buhâri, Edeb, 62
4 Müslim, Birr, 37

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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