Imame 2.0 – Made in Germany

Bild: etl@stock.xchng

Vor 10 Jahren legte die DITIB mit ihrem Auslandsstipendium die ersten Grundsteine für die Ausbildung der Imame aus Deutschland. Heute arbeiten 60 von ihnen hauptberuflich als Imame. Muhammed Suiçmez sprach mit einigen von ihnen.

Das Stipendienprogramm “Internationaler Studiengang Islamische Theologie” bietet türkischstämmige Abiturienten aus Deutschland und den restlichen EU-Staaten sowie USA, Kanada, Australien und Japan ein fünfjähriges Theologie-Studium in der Türkei.

Ziel dieses Programms ist es, den Bedarf der Muslime an bekenntnisorientierten und qualifizierten islamischen Theologen, Akademikern und Wissenschaftlern zu decken. Gerade durch die Landes- und Sprachkenntnisse und dem Hintergrund als europäisch geprägte Theologen können diese Studierenden die Bedürfnisse der muslimischen Gemeinden in ihren Heimatländern verstehen und diesen besser gerecht werden. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, der heranwachsenden muslimischen Generation ein klares und unmittelbares Islamverständnis zu vermitteln und somit eine Alternative zu den gängigen deutschsprachigen Predigern zu bieten.

Begonnen hat das Programm im Jahr 2006/2007 an der Universität Ankara, als Pilotprojekt mit 18 Studierenden. Hinzu kam im Jahre 2007/2008 die Marmara-Universität mit der gleichen Anzahl von Studierenden. Durch das steigende Interesse an diesem Programm wurden die Möglichkeiten in den darauf folgenden Jahren erweitert, so dass die Anzahl der Studierenden im Studienjahr 2015/2016 auf 751 gestiegen ist. Diese kommen aus 15 verschiedenen Ländern und studieren mittlerweile an den Standorten Istanbul (Marmara-Universität, Istanbul-Universität und 29 Mayis Universität), Ankara (Universität Ankara), Bursa (Selcuk-Universität) und Konya (Necmettin Erbakan-Universität).

Seit 2006 haben weltweit 268 StudentenInnen das Studium abgeschlossen. Von den Absolventen arbeiten 60 Studierende hauptberuflich als Imame in Deutschland. All diese Imame sind in Deutschland geboren, aufgewachsen, sprechen akzentfrei Deutsch und Türkisch.

„Die Arbeit eines Imams ist ein 24 Stunden-Job“

Einer von ihnen ist Imam Ismail Sütsever (25). Er absolvierte seinen Bachelor im Jahre 2015 an der Marmara Universität in Istanbul und arbeitet heute als Imam in der Bochumer Merkez Moschee. Sütsever entschied sich Imam zu werden, um den Menschen, insbesondere den Jungendlichen zu helfen. „Sie brauchen uns! Jugendliche sehnen sich nach einem großen Bruder oder einem Vorbild aus den eigenen Reihen, dem sie vertrauen und alles erzählen können“, so Imam Sütsever. Er selber suchte in seiner Jugend nach solch einem Vorbild. Als Imam möchte er anderen Menschen helfen und sie zum rechten Weg leiten. Sütsever ist hauptsächlich für die Jugend und Dialogarbeit in Bochum und Umgebung zuständig. „Ich besuche neben der Bochumer Moschee neun weitere Gemeinden und komme mit Jugendlichen zusammen, mit denen wir uns neben islamischen Themen auch über ihre Probleme im Alltag austauschen und versuchen diese gemeinsam zu bewältigen“.

Der Imam der Zentralmoschee in Köln, Burak Mercan (27) studierte islamische Theologie an der Universität Ankara. Sein Bachelor absolvierte er 2013. Neben seiner Tätigkeit als Imam in der Moschee, studiert er im Masterstudiengang der Religionswissenschaften an der Goethe Universität Frankfurt mit dem Schwerpunkt Moscheemusik, welche er dort auch als Lehrbeauftragter unterrichtet. Darüber hinaus arbeitet er auch in der Hadschorganisation des Botschaftsrates für religiöse Angelegenheiten.

„Die Arbeit eines Imams ist ein 24 Stunden-Job“, findet der Hamburger Imam Ethem Tağaç (28). Er ist ebenfalls Absolvent der Marmara Universität. Seit einigen Monaten ist er in der Hamburger Zentralmoschee als Imam tätig. Sein Arbeitstag beginnt mit dem Frühgebet und endet meist erst gegen Mitternacht. Neben den Gebeten, die er als Vorbeter verrichtet, leistet er seelsorgerische Arbeit und beratet seine Gemeindemitglieder in privaten Angelegenheiten. Außerdem ist Imam Tağaç für die Predigen, Beerdigungen und Beschneidungsfeier seiner Gemeinde zuständig.

Ein weiterer junger Imam ist Eyüp Kalyon (26). Er ist gebürtiger Wuppertaler und zweiter Imam an der Zentralmoschee in Essen. Neben seiner Tätigkeit als Imam studiert er Orientalistik und Islamwissenschaften in Bochum. Es macht ihm Spaß Imam zu sein. Als solcher thematisiert Kalyon mit unterschiedlichen Altersgruppen den Islam und ist für die religiöse Praktiken in der Moschee, die Jugendarbeit und die Beziehung zwischen Vereinen, Stiftungen und Behörden zuständig. Eyüp Kalyon findet auch die spirituelle Perspektive seiner Arbeit wichtig. „Durch meinen Beruf als Imam kann ich gleichzeitig meinen religiösen Pflichten nachkommen“.

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) beschäftigt neben ihren ca. 1000 Imamen aus der Türkei auch 60 Imame, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Diese Imame sind Absolventen des DITIB-Auslandsstipendiums für den Internationalen Studiengang Islamische Theologie. Mit diesem Studienprogramm legte die DITIB, noch vor der Gründung der ersten islamischen Zentren in Deutschland, die ersten Grundsteine für die Ausbildung deutscher Imame und Akademiker in der Türkei. In den kommenden 10 Jahren plant die DITIB die Zahl der einheimischen Imame auf ca. 500 zu erhöhen.

Quelle: Islamiq, www.islamiq.de

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