Moscheegemeinden fühlen sich überlastet

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Die Einwanderung von Flüchtlingen stellt arabische Moscheegemeinden vor große Herausforderungen. In Frankfurt am Main schätzt man die ehrenamtliche Arbeit der Muslime, mit Unterstützung hält sich die Stadt aber zurück.

Arabischsprachige Moscheegemeinden in Frankfurt am Main fühlen sich den Bitten von Flüchtlingen nicht gewachsen. „Wir fühlen uns überlastet“, sagte das Vorstandsmitglied der Islamischen Gemeinde Frankfurt, Mohamed Mohcen Seddadi, dem Evangelischen Pressedienst. Die Zahl der Besucher des Freitagsgebets der Abu Bakr Moschee im Stadtteil Hausen sei durch Flüchtlinge um mehr als 300 gestiegen.

„Wir haben Mehrkosten für das Essen, für Wasser und Strom“, zählte Seddadi auf. Dazu komme die zeitliche Inanspruchnahme von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Flüchtlinge kämen mit der Bitte um Arbeit, Wohnung, Behandlung von seelischen Problemen, Begleitung zu Ärzten und zu Behörden. Die Gemeinde habe nun ihre Sprechzeiten begrenzt: Täglich außer freitags würden nur noch maximal fünf Bittsteller beraten.

Verein braucht Geld und Personal

Die Moscheegemeinde kümmere sich um Anhänger wie Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, versicherte Seddadi. „Solange jemand saubere Hände hat, macht es keinen Unterschied.“ Die Gemeinde, die 300 bis 400 überwiegend aus Marokko stammende Mitglieder zähle, bezahlt nach Angaben des Vorstandsmitglieds nur drei Imame für ihre Dienste.

Der Verein brauche Geld für Personal- und Fahrtkosten, Nebenkosten und Lebensmittel. „Wir fühlen uns von der Stadt alleingelassen“, klagte Seddadi, der auch Sprecher des Koordinationsrats von zwölf Frankfurter Moscheegemeinden ist. Die Gemeinde erhalte auch keine Unterstützung für ihre Sozial- und Präventionsarbeit sowie für ihre Jugend- und Frauenarbeit.

Stadt will Bedarf ermitteln

„Die Stadt kann keine Doppelstrukturen unterstützen“, entgegnete Katrin Wenzel von der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement. Jeder Flüchtling und Asylbewerber bekomme Essen in der Unterkunft oder Essensgeld, jedem stünden Beratungsleistungen der Behörden zu. So gebe es Babylotsen, Hilfe bei der Anmeldung von Kindern in Tagesstätten und Beratung zu unterschiedlichsten sozialen Fragen. In Frankfurt seien noch immer rund 1.500 Flüchtlinge in Notunterkünften und rund 500 in Hotels und Pensionen untergebracht, die nicht auf Dauer gedacht seien.

Für Moscheegemeinden sei es in der Tat eine „große Herausforderung“, mit dem Zuzug von Flüchtlingen fertig zu werden, räumte Wenzel ein. Die Stadtverwaltung sei froh über deren Hilfe. Sie wolle die Gemeinden, die ihre gesamte Verwaltung ehrenamtlich stemmten, durch Fortbildungen unterstützen. Zunächst müsse aber der genaue Bedarf erhoben werden. (epd/mig)

Quelle: MIGAZIN, www.migazin.de

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