Freitags-Predigt vom 26.08.2016

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Spirituelle Krise-Suizid

Geehrte Gläubige!

Im rezitierten Vers sagt Allah: “Und wer einen Gläubigen vorsätzlich tötet, dessen Lohn ist die Hölle, ewig darin zu bleiben. Und Allah zürnt ihm und verflucht ihn und bereitet ihm gewaltige Strafe.”1

Und unser Prophet (s) warnt in seinem Hadis, dass die suizidbegehende Person ein Bewohner der Hölle sein wird.2

Wie im rezitierten Vers deutlich wird, welch große Sünde das Morden von anderen Menschen ist, ist es auch eine solch große Sünde, sich selbst das Leben zu nehmen. Denn Allah ist derjenige, der dem Menschen und den anderen Geschöpfen das Leben schenkt und er der einzig berechtigte ist, ihnen das Leben zu nehmen. Denn das Leben ist ein anvertrautes Gut an den Menschen.

Es gibt viele Gründe für Suizidereignisse, die wir nicht gern sehen aber sich leider in der letzten Zeit vermehrt haben. Das erste ist das Glaubensproblem. Heutzutage sind aus Sicht des Glaubens erlebte Krisen und von der Religion entfernte Lebensweisen Gründe, dass der Mensch in eine spirituelle Leere fällt. In einer solchen Situation ist sich die Person unbewusst, dass Allah, der erhabene Schöpfer existiert, der ihn zu jeder Zeit und in jeder Situation hütet und beschützt.

Zweitens; Das Empfinden der Einsamkeit der Menschen, weil die familiären Werte schwinden. Diese Situation führt dazu, dass die Menschen sehr viele schönen Werte wie Liebe, Vertrauen und gegenseitige Hilfe nicht genießen können, das die Familie ermöglicht.

Drittens; die Verbreitung schlechten Gewohnheiten wie Drogen, Alkohol und Glücksspielen, die sowohl dem Körper als als dem Geist des Menschen schaden.

Verehrte Gläubige!

Nach den Unterschuchungen werden familiäre Probleme, Erfolglosigkeit im Arbeitsleben, wirtschaftliche Probleme, schwere Krankheiten, psychologische Probleme und negative Erlebnisse bei emotionalen Beziehungen als Gründe für Suizidversuche angeführt. Natürlich gibt es bestimmte Wege, sich vor der Konfrontation solcher Situationen zu schützen.

Erstens: spirituelle Unterstützung. Der Mensch besteht aus Körper und Geist. Beide sollten ausgewogen genährt werden. Wobei der Körper materielle Nährstoffe wie Wasser, Luft und Speisen braucht, bedarf unsere Seele nach spiritueller Nahrung. Das Notwendigste unserer spirituellen Bedürfnisse ist es, an den erhabenen Allah zu glauben, an den man sich bei jeder Situation zuflüchten, sich an Ihn stützen und an Ihn vertrauen kann.

Zweitens: den Glauben an das Schicksal zu verinnerlichen. Für Gläubige Menschen ist der Schicksal so wie ein Hafen, an den ein Schiff Zuflucht nehmen kann, der in ein Gewitter gekommen ist. Der Gläubige weiss, dass die Hilfe Allahs dann beginnt, wenn seine Kraft endet. Es gibt den Allah, der sagt: “ich bin da” wenn der Diener sagt: “ich kann nicht mehr.” Derjenige, der die Stimme der Ameisen hört, wird auch sicherlich den Aufschrei der Herzen erhören. Hauptsache ist, dass der Mensch sich bewusst ist, dass Allah jederzeit bei ihm is tund ihm ihm hilft.

Als Individuen und Gesellschaft haben wir hierzu auch einige Aufgaben. Allen voran haben wir die Verantwortung, Lösungen für die Probleme der suizidgeneigten Person zu finden, Empathie zu knüpfen, die Person und Familie zu stärken, Unterstützung der Personen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden zu können und die Gesellschaft zu Suizidfällen aufzuklären.

Lassen sie uns nicht vergessen, dass man so viel Wohltaten erwirbt, wenn man jemanden rettet, als ob man die ganze Menschheit gerettet hätte.

Gesegnet seien diejenigen, die einen Bruder oder eine Schwester retten, gesegnet seien diejenigen, die ein Herz erleichternd stillen können, gesegnet seien diejenigen, die einem Problem abhelfen können.

Orhan Bal
Religionsbeauftragter, Ingolstadt

[1] Koran, an-Nisa, 4/93
[2] al-Bukhari, Tibb 56, III, 32; al-Muslim, Iman 175, I, 103-104; at-Tirmidhi, Tibb 7, IV, 386

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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