Freitags-Predigt vom 08.07.2016

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Die Erträge des Ramadan fortführen und das Fasten im Monat Schewwal

Meine Geschwister!

Vor einem Monat haben wir uns alle in die Ramadanschule eingeschrieben. Einen Monat lang haben wir alle gemeinsam eine sehr gute Ausbildung genossen. Wir haben die besinnlichen Frühstücke zur Morgendämmerung (Sahur) und freudeerfüllten Fastenbrechen ausgiebig genießend erlebt, die uns spirituell beförderten. Jeden Abend sind wir zu den Nachtgebeten (Terawih) in die Moscheen herbeigeeilt, die nicht nur unseren Körper, sondern auch unsere Herzen erleichtert haben. Mit der Gegenlesetradition (Muqabala) haben wir unsere Vorliebe für den Koran gefestigt. Mit den Abgaben der Fitra, Zakat und Sadaqa haben wir unser Einkommen, unseren Verstand, unser Herz und unsere Zungen geläutert.

Geehrte Gläubige!

In der Ramadanschule haben wir eine Willenserziehung erfahren. Diese Schule hat uns eine Möglichkeit geboten, schlechte Gewohnheiten aufzugeben und schöne Eigenschaften anzueignen. Unser Verstand wurde in dieser Schule gereinigt, der aufgrund verschiedenster Gründe verschmutzt war. Unsere hinter verschiedensten Begierden eilenden Egos haben sich erneut herabgesetzt. Unsere mit den verschiedensten Beschäftigungen ermüdeten Herzen haben in dieser Schule wieder zur Seelenruhe gefunden.

Die Ramadanschule wurde zu einer Zufluchtstätte für uns alle. Wir haben unsere innere Welt für böse Worte, böse Blicke, Sünden und Rebellionen verschlossen.

Meine Geschwister!

Die Ramadanschule wurde zu einer Geduld- und Dankeserziehung für uns. Mit dem Fasten an den längsten Tagen haben wir die Geduld gelernt. Einen Monat lang haben wir tagtägliches Leid und den Kummer von Millionen Menschen auf der Welt in den tiefen unserer Herzen mitgefühlt. Um so mehr haben wir dabei für die Gaben in unseren Händen gedankt.

Die Ramadanschule hat uns beigebracht zu teilen, dass sich durch das Teilen die Freude vermehrt. Es hat uns die schönsten Beispiele der Einheit und Eintracht aufgezeigt. An den Tischen des Fastenbrechens sind wir mit unseren Geschwistern zusammengekommen, die wir keineswegs kannten und wir haben uns gegenseitig an der Freude beteiligt. Die Bedeutung des Verses “Ihr werdet die Güte nicht erreichen, bevor ihr nicht von dem ausgebt, was euch lieb ist.”1 haben wir besser verstanden.” Unter dem Motto “es ist Zeit, Gutes zu tun” haben wir Verwaisten und Alleinstehenden, Bedürftigen und Flüchtlingen unsere Herzen und Tische geöffnet. Entsprechend der frohen Botschaft des gesegneten Propheten: “Jede gute Tat ist eine Spende (Sadaqa)” sind wir hinter guten Taten gespurtet und haben uns für die jenseitige Heimat bevorratet.

Meine werten Geschwister!

Die Ramadanschule hat uns in ihren letzten Tagen die Nacht der Bestimmung geschenkt, die wertvoller als ein ganzes Leben ist. Zu dieser Nacht der Bestimmung, in der die Engel mit ihren Wonnen-, Friedens- und Ruhebotschaften auf uns herabgekommen sind, haben wir uns mit unseren Ritualgebeten, Stoßgebeten für den Propheten (s) und Friedensbitten, Gottesgedenken und Bittgebeten bemüht, unseren Wert bei unserem Herren Allah zu erhöhen.

Mit all diesen Schönheiten hat uns die Ramadanschule beschmückt und schließlich dem Ramadanfest präsentiert. Am Ende der einmonatigen Ausbildung haben wir diese große Gnade und Belohnung unseres Herren Allahs erlangt.

Meine verehrten Geschwister!

Der Ramadan hat sich verabschiedet indem er unsere innere Welt verwaist zurückgelassen hat, dennoch uns viele Erträge hinterlassen. Jetzt ist es Zeit, diese Erträge auf das ganze Jahr auszuweiten, um das göttliche Wohlwollen zu erlangen. Kommen sie und lassen sie uns das Erbe des Ramadan zueigen zu machen. Lassen sie uns das ganze Jahr und unser ganzes Leben ab jetzt so wie im Ramadan verbringen. Vergessen wir nicht, dass bei Allah der beste Gottesdienst derjenige ist, der zwar wenig aber fortdauernd ausgeführt wird. Sei das Gebot des erhabenen Allah: “Und diene deinem Herren, bis der Tod zu dir kommt.”4 unser ständiger Wegweiser.

Lassen sie uns versuchen, das Fasten des Monats Schewwal nicht zu versäumen. Lassen sie sich nicht aus dem Gedächtnis gehen, dass entsprechend der Überlieferung unseres Propheten das sechstägige Fasten des Monats Schewwal nach dem Fasten im Ramadan zu einer solch großen Belohnung führt, als ob man wie ein ganzes Jahr gefastet hätte.

Die Predigtkomission

1 Koran, Al-i Imran, 3/92
2 al-Bukhari, Adab, 33
3 at-Tirmidhi, Siyam, 53
4 Koran, al-Hidschr, 15/99

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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