Erstes Fastenbrechen im Essener Rathaus

Foto: Ralf Schultheiss
Foto: Ralf Schultheiss

Essen. OB Thomas Kufen setzt ein Zeichen der Verständigung, indem er zu Beginn des Ramadan Muslime, Christen und Juden in die 22. Etage einlädt.

Oberbürgermeister Thomas Kufen setzt in Zeiten wachsender Islamfeindlichkeit ein demonstratives Zeichen der Versöhnung: Zum Fastenbrechen der Muslime im Fastenmonat Ramadan lädt er am 7. Juni ab 21 Uhr ins Rathaus ein.

Es ist ein Novum: Der Christdemokrat ist das erste Stadtoberhaupt, das diese wichtige muslimische Tradition an seinem Amtssitz begeht. Schauplatz des Fastenbrechens wird die 22. Etage sein, die so genannte Repräsentationsetage, die zu einem faszinierenden Blick übers Ruhrgebiet einlädt. „Das Fastenbrechen soll ein Dank an die Vereine und Organisationen sein, die auch einen Beitrag zur Integration und Verständigung leisten“, sagt Kufen. Eingeladen sind mehr als 40 Vertreter aus Politik, Vereinen und Organisationen – übrigens nicht nur Muslime, sondern auch Christen und Juden . Nach Angaben der „Kommission Islam und Moscheen“ leben in Essen ca. 35.000 Muslime.

Zunehmende Feindseligkeit gegenüber Muslimen
Wer Kufens Polit-Biografie verfolgt hat, den wird diese Einladung nicht überraschen. Denn schon in der Regierung von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte sich der Essener als Integrationsbeauftragter einen Namen gemacht. Wie wertvoll diese Popularität bei Migranten ist, zeigte sich spätestens bei der Oberbürgermeister-Wahl im letzten Herbst: Sie unterstützten mit großer Mehrheit den CDU-Mann.

Nur wenige Monate später sind die Zeiten rauer geworden. Nach dem Wirbel um den ausgeladenen Hassprediger in Steele, den Gewaltexzessen im libanesisch-kurdischen Clan-Milieu und dem islamistisch motivierten Anschlag auf den Sikh-Tempel – von den Anschlägen in Brüssel und Paris ganz abgesehen – schlägt selbst friedliebenden Muslimen in dieser Stadt eine zunehmende Feindseligkeit entgegen. Hinzu kommt die anschwellende Anti-Islam-Hetze der AfD. Wer in diesem Augenblick den Muslimen die Hand entgegenstreckt und zum Fastenbrechen ins Rathaus einlädt, legt damit zugleich ein Bekenntnis ab: dass der Islam auch zu dieser Stadt gehört.

Hoher Symbolwert
Das offizielle Fastenbrechen genießt einen hohen Symbolwert – und sorgte in der Vergangenheit dennoch für Verstimmungen. Dem Fastenbrechen 2013 vor der Moschee in der Altenessener Heßlerstraße etwa blieben der damalige OB Reinhard Paß (SPD) und andere Politiker demonstrativ fern . Im Vorfeld hatte es eine kontroverse Debatte über den Mitveranstalter, die Abu-Bakr-Moschee, gegeben, der Verbindungen zur salafistischen und radikalislamischen Szene nachgesagt wurden. Mit Extremisten an einem Tisch sitzen, galt deshalb politisch als nicht opportun.

Kufen richtet den Blick nach vorn und sagt: „Gerade nach den Vorkommnissen der letzten Wochen und Monate ist es mir als Oberbürgermeister aller Essenerinnen und Essener wichtig, dass wir gemeinsam in Gesprächen bleiben und uns im Sinne unserer Stadt für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde einsetzen.“

Quelle: Gerd Niewerth – Erstes Fastenbrechen im Essener Rathaus | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf: http://www.derwesten.de/staedte/essen/erstes-fastenbrechen-im-essener-rathaus-id11874985.html#plx824002442

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