Freitags-Predigt vom 27.05.2016

Die Kultur des Zusammenlebens

Meine Geschwister!

In dem anfangs rezitierten gnadenreichen Vers gebietet unser Herr folgendes: “O ihr Menschen! Fürwahr wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennenlernt. Der Frommste unter euch ist der Angesehenste vor Allah.” [1]

Und unser lieber Prophet Muhammed (s) äußerte sich in seiner Abschiedspredigt wie folgt: “O ihr Menschen! Euer Herr/Rab ist derselbe. Auch euer Vater ist derselbe. Ihr seid alle Kinder Adams, er hingegen ist aus der Erde. So wie der Araber keinen Vorrang vor dem Nicht-Araber hat, besitzt der Weiße vor dem Dunkelhäutigen sowie der Dunkelhäutige vor dem Weißen keinen Vorrang. Denn der Vorrang liegt lediglich in der Frömmigkeit (taqwā)[2]

Meine Geschwister!

Allah erschuf den Menschen aus der Erde und beauftragte ihn mit der verantwortlichen Gestaltung (îmâr) der Welt. Diese Gestaltung wiederum ist nur mit der Ausarbeitung einer Kultur des Zusammenlebens und der Moral sowie der Achtung und gegenseitigen Berücksichtigung der Rechte eines jeden möglich.

Bedauerlicherweise muss aber festgehalten werden, dass das Zusammenleben in den heutigen Gesellschaften zu einem der wichtigsten Probleme geworden ist.

Einerseits beobachten wir heute in einigen westlichen Gesellschaften Hass und Diskriminierung gegen Muslime, die die Kultur des Zusammenlebens zusehends in Gefahr bringen. Andererseits erlebt man in so manchen muslimischen Gesellschaften aufgrund von Rassismus, ideologischen Diskriminierungen, sektiererischen Ausgrenzungen schwerwiegende interne Gewaltkonflikte. Im folge werden zahlreiche unschuldige Menschen blutrünstig ermordet und historisches sowie kulturelles Erbe der Städte zerstört.

Werte Geschwister!

Sind wir denn nicht alle auf Erden ein Mitglied der großen Menschheitsfamilie? Stammen wir denn nicht alle von Adam und Eva ab? Zählen wir nicht alle zu den Dienern desselben Allahs, desselben Schöpfergottes? Warum können wir uns nicht vertragen?!

Ist es denn wirklich so schwer,  das für das Zusammenleben nötige Gefühl der Tugendhaftigkeit in unseren Taten und Worten wiederspiegeln zu lassen? Allah hat doch diese Gefühle in unsere Natur hineingegeben. Wir müssten im Stande sein, diese Welt, von der es keine zweite mehr gibt, schöner und besser zu gestalten.

Was ist vortrefflicher? Der Einsatz für Respekt, Duldsamkeit, Gnade, Gerechtigkeit, Erbarmung, Aufrichtigkeit, Geduld und Teilen? Oder der Bau von Wolkenkratzern, die Gründung und Führung von Staaten und Firmen?

Ist der Aufwand für die Beseitigung der Gier- und Rachegefühle, Hass- und Abscheuempfindungen aus unserem Herzen größer als die Mühe beim Teilen der Atome! Verursacht das Stiften von Liebe, Zuneigung und Gutmütigkeit in den Herzen etwa mehr Kosten und Aufwand als das Gründen von großen und prächtigen Waffenfabriken?

Liebe Geschwister!

Der Mensch wurde mit dem Bedürfnis erschaffen, in Gesellschaft zu leben. Er ist in der Pflicht, seine Mitmenschen, mit denen er gemeinsam das Leben teilt, als eine Gabe und Gunst des erhabenen Allahs zu betrachten.

Die Menschen und menschlichen Werte sind es eigentlich, die wieder belebt werden müssen. Wenn wir unsere gegenseitige Bedürftigkeit vergessen, so bedeutet dies, dass wir somit einen der zu Allah führenden Wege schließen. Denn wir sollten nicht vergessen; die Welt ist uns und wir sind einander anvertraut.

Meine Rede möchte ich mit einem Ausspruch (Hadith) des Propheten der Barmherzigkeit (s) beenden: “Ein Gläubiger ist ein umgänglicher Mensch. Jemand, der mit den Menschen keine Freundschaft schließt und mit dem man sich nicht anfreunden kann, ist kein gütiger Mensch.”

Hasan AKPINAR
Religionsbeauftragter DITIB Fürthen-Sieg Ulu

[1] Koran, Hudschurat, 49/13
[2] Ibn Hanbel, V, 411

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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