Freitags-Predigt vom 08.04.2016

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Die Waisen: Die Anvertrauten der Gesellschaft

Meine verehrten Geschwister!
Unsere erhabene Religion Islam nimmt die Fürsorglichkeit und Barmherzigkeit gegenüber allen Geschöpfen auf der Welt als Grundlage. Der Islam empfiehlt uns die rechtlichen Ansprüche der Waisen als die anvertrauten der Gesellschaft zu wahren. Neben der Empfehlung sie wertzuschätzen, verbietet er alle mutmaßlichen negativen Haltungen und Handlungen gegenüber ihnen.

Meine geehrten Geschwister!
In unserem erhabenen Buch, dem gnadenreichen Koran wird im Vers: “Hat Er dich nicht als Waise gefunden und dir dann Zuflucht verschafft?”1 gesagt, dass unser geliebter Prophet auch als Waise groß geworden ist. In einem darauffolgenden anderen gnadenreichen Vers wird betont, dass Waisen nicht gekränkt werden dürfen: “Daher, was die Waise angeht, so drangsaliere sie nicht.”2

Unser geliebter Prophet, der selbst als Waise groß geworden ist und der Schirmherr der Waisen war, impfte allen Muslimen ein, dass sie gegenüber den Waisen mit Gnade- und Barmherzigkeitsempfindungen handeln sollten: „Wer wegen des Wohlwollens Allahs den Kopf eines Waisen streicht, dem wird so viel wie die Anzahl der berührten Haare an Wohltaten niedergeschrieben. Wer sich dem Waisenknaben oder dem Waisenmädchen gegenüber gut verhält, mit dem werden ich und diese Person so wie diese beiden im Paradies sein (und zeigte dabei auf seine beiden aneinandergedrückten Mittel- und Zeigefinger). “3 In einem anderen Hadis sagte er, dass die Belohnung der Beschützer von Waisen das Paradies ist: „Wer unter den Muslimen das Essen und Trinken übernehmend einen Waisen annimmt, den wird Allah unbedingt in das Paradies aufnehmen.“4

Meine werten Geschwister!
Als ein Kandidat um Beschützer von Einsamen zu sein, sollten die Waisen ganz vorne unter unseren Prioritäten sein. Denn aktuell haben wir so viele Waisen auf der Welt, die ein geborgenes Zuhause ersehnen, die gezwungen sind, mit ihren kleinen Leib solch große Strapazen der Welt auf ihren Schultern zu tragen, die vielleicht sogar ihre Hoffnung auf eine letzte ausgestreckte Hand setzen und die auf  Liebe und Mildherzigkeit angewiesen sind und deren Herzen zerbrochen sind.

Meine Geschwister!
Lassen sie uns folglich alle gemeinsam sehr wachsam im Punkte Schutz der Rechte unserer verwaisten Kinder sein. Lassen sie uns Möglichkeiten schaffen, in der sie sich in der Gesellschaft artikulieren können. Lassen sie uns die Waisen unterstützen, ihre Zukunft aufzubauen.

Lassen sie uns besonders in Deutschland für die Verbreitung der Pflegefamilien zum Schutz von Kindern einsetzen, damit sich die aus verschiedenen Gründen von ihren Familien losgetrennten Kinder nicht von ihren religiösen und nationalen Identitäten entfernen.

Lassen sie uns nicht vergessen, dass die Freude der Waisen unsere Freude und der Kummer der Waisen wiederum unser Kummer ist. Denn sie sind die jeweils die Anvertrauten der Gesellschaft an uns.

Ich beende meine Predigt mit der Übersetzung eines Verses und eines Hadises:

„Diejenigen, die den Besitz der Waisen ungerechterweise verschlingen, verzehren in ihren Bäuchen nur Feuer; und sie werden der Feierglut ausgesetzt sein.“5

„Das beste Haus unter den Häusern der Muslime ist das Haus, in dem der Waise gut behandelt wird. Das übelste unter den Häusern der Muslime aber ist dasjenige Haus, in dem der Waise schlecht behandelt wird.“6

Keramettin GENÇ
Religionsbeauftragter,DITIB Eyüp Sultan Bahçe Moschee, Bremen

1. Koran, ad-Duha, 93/6
2. Koran, ad-Duha, 93/9
3. Ahmad b. Hanbel, V, 250
4. Tirmidhi, Birr ve sila, 14
5. Koran, an-Nisa, 4/10
6. Ibn Madsche, Adab, 6

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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