Freitags-Predigt vom 05.02.2016

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Nicht gefangener unserer Worte sein!

Verehrte Muslime!

Der Mensch ist ein Geschöpf mit Verantwortung. Aus diesem Grund ist er im Gegensatz zu den anderen Wesen ohne Verstand und Willenskraft gezwungen, bewusst zu leben. Bewusst in diesem Sinne zu leben und gegenüber Allah Verantwortung tragend zu leben, nennen wir Frömmigkeit (taqwa). Entsprechend des Grades unserer Frömmigkeit, das heißt unseren Verantwortungen gerecht werdend, werden wir glücklich und mit Wohlergehen erfüllt sein und somit unsere Welt und unser Jenseits verschönern. Ansonsten ist es unumgänglich, dass wir von denen sein werden, die verlieren.

Meine verehrten Geschwister!

Unser Herr Allah hat uns unzählige Gaben und Fähigkeiten geschenkt. Wenn wir diese Gaben zählen wollten, würde unsere Kraft dazu nicht ausreichen.1 Und eine dieser Gaben ist die Fähigkeit Worte aufsagen und sprechen zu können.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass jede Gabe eine Verantwortung erfordert und dass wir dafür Rechenschaft ablegen werden. In dem an Anfang der Freitagspredigt rezitierten Vers gebietet Allah: „Gewiss werden am jenseitigen Tag ihre Zungen, ihre Hände und ihre Füße gegen sie Zeugnis über das ablegen, was sie zu tun pflegten.”2

Und in einem anderen Vers wird gesagt: “Kein Wort äußert er, ohne dass bei ihm ein Beobachtender (Engel) bereit wäre.”3

Und unser geliebter Prophet (s) ermahnt uns zu diesem Thema: “Wer an Allah und den jenseitigen Tag glaubt, möge entweder Gutes sprechen oder schweigen!”4

Meine geehrten Geschwister!

Unsere Zunge ist ein sehr kraftvolles aber auch dementsprechend ein solch gefährliches Organ. Das Wissen vermittelst du mit Worten, die Empfindungen teilst du durch Worte mit anderen, die Gedanken äußerst du mit Worten, mit Worten kann man die Welt in Bewegung setzen und den Lauf des Lebens verändern.

Daneben begeht der Mensch viele der Sünden mit seinen Worten und seiner Zunge. Die Zunge begeht viele sündhafte Handlungen wie Lüge, Lästerei, üble Nachrede, Verleumdung, Beschimpfung und Fluchworte sowie Kränkung der Herzen. Natürlich äußert sich auch in den Worten, was im Herzen ist. Wenn Gutes darin ist, äußert sich Gutes, wenn Böses darin ist, perlt Böses von unserer Zunge. Aus diesem Grund sollten wir vorerst unser Herz und dann unsere Zungen erziehen. Mit dem Prinzip “Halte deine Hand, deine Zunge und deine Lenden in Schach!” versuchten unsere Vorfahren unser Augenmerk auf diesen Sachverhalt zu lenken.

Wenn wir nicht möchten, dass wir aufgrund unserer Zungen und Worte Unannehmlichkeiten erleben, sind wir gezwungen, gründlich zu denken und dann zu sprechen und zu ermitteln, welchen Ausmaß was unsere Worte annehmen könnten. Denn “bevor das Wort deinen Mund verlässt, ist es dein Gefangener, wenn es deinen Mund verlassen hat, wirst du Gefangener dessen.

Meine werten Geschwister!

Je mehr der Mensch spricht, desto mehr ist die Wahrscheinlichkeit Fehler zu machen. Allah der Erhabene hat uns eine Zunge aber zwei Lippen und zwei Ohren gegeben. Folglich sollte man ein Mal sprechen aber zwei Mal zuhören. Vor allen Dingen ist die weiseste Tat zu solchen Themen zu schweigen, wozu wir uns nicht auskennen und denjenigen zuzuhören, die sich auskennen.

Ich beende meine Predigt mit der Übersetzung eines gnadenreichen Koranverses: “Und wenn sie unbedachte Rede hören, wenden sie sich davon ab und sagen: “Wir haben unsere Taten und ihr habt eure Taten (zu verantworten). Friede sei auf euch! Wir trachten nicht nach (dem Umgang mit) den Törichten.”5

Sei ihr Freitag gesegnet.

Hasan Ağırbaş
Religionsbeauftragter, Idstein

1 Koran, Ibrahim, 14/34
2 Koran, an-Nur, 24/24
3 Koran, Qâf, 50/18
4 at-Tirmidhi, Qiyama, 51
5 Koran, al-Qasas, 28/55

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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