Freitags-Predigt vom 01.01.2016

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Das Kapitel al-Asr und die Verwertung der Zeit

Meine verehrten Geschwister!

Die Zeit ist eines der in die Verantwortung des Menschen seitens des erhabenen Allahs anvertrauten wichtigsten Güter. Denn wir erfahren und erleben das Leben innerhalb der Dimesion der Zeit. Alles, alles Gute und alles Böse; das Leben und der Tod spielen sich innerhalb der Zeit ab. Aus diesem Grund ist die Verwertung der Zeit die wichtigste Bedingung, dem Leben einen Sinn zu geben. An dieser Stelle begegnen wir dem 103. Kapitel al-Asr des Koran, das dem Leben und der Zeit ihre Bedeutung verleiht. Denn auf der einen Seite lenkt die Sura al-Asr unsere Aufmerksamkeit auf die Vergänglichkeit der Zeit hin und auf der anderen Seite gibt sie uns Hinweise, wie die vergängliche und kurze Zeit am besten verwertet werden kann. Das zwischen der Geburt und dem Tod erlebte Leben kann nur mit der Ausführung schöner Werke und rechtschaffener Handlungen verwertet werden.

Aus dieser Sicht ist der Kapitel al-Asr ein Wegweiser und eine Fahrplan für den sterblichen Menschen, damit er sich auf das unendliche Leben vorbeitet.

Meine verehrten Geschwister!

Auch Yunus Emre, einer der führenden Personen unserer kulturellen und geistigen Welt, wies mit seiner Aussage: “Zeit ist dieser Atemzug, dieser Atemzug ist die Zeit” auf die Möglichkeit hin, dass man gegenüber der dahin eilenden Zeit nur dadurch entgegenstehen kann, indem wir uns unserer Verantwortungen in der jetzigen Zeit bewusst werden. Unser geliebter Prophet (s) deutete auf den großen Verlust hin, den das maßlose Aufschieben und das auf ungewisse Zeiten Vertagen dem Menschen zufügt, indem er sagte: “Diejenigen, die sagen, ich mache es später, haben stets verloren.” Denn die Vergangenheit ist sowieso vergangen, und die Zukunft liegt uns noch nicht in der Hand, demzufolge sollte es unsere Aufgabe sein, die jetzige Zeit am besten zu verwerten. Denn unser Prophet (s) sagte in einer anderen Hadis: “Die meisten Menschen vertun sich den Wert dieser beiden Güter einzuschätzen: Gesundheit und freie Zeit.”2

Geehrte Gläubige!

Verlorenes Hab, Gut und Reichtum kann mit der Zeit wieder verdient werden, aber verloren gegangene Zeit, das Lebenskapital kann niemals wieder zurückgebracht werden.

Diejenigen, die dem Menschen geschenkte Atemzüge und das begrenzte Leben in Sorglosigkeit verbringen, werden im Jenseits dieses bereuen und den Wunsch haben, wieder auf die Welt zu kehren um rechtschaffene Werke zu vollbringen, aber dieses wird nicht möglich sein. Der Koran weist auf diese Wirklichkeit wie folgt hin:

Erst wenn der Tod einem von ihnen kommt, sagt er: „Mein Herr, bring mich zurück, auf daß ich rechtschaffen handele in dem, was ich unterlassen habe.“ Keineswegs! Es ist nur ein Wort, das er (so) sagt;…”3

Der geläufig verwendete Ausdruck in der Alltagssprache und das öfter ausgesprochene Wort: “Zeit vertreiben” deutet auf einen eigenartigen Widerspruch hin. In der Realität ist das vertreiben der Zeit unmöglich, aber die wertlos verstreichende Zeit mahlt das Leben des Menschen wie eine Mühle aus. Wie ein Dichter es in seinen Versen sagte:

Bist du ein Kluger, mach die Augen deines Geistes auf und horche mit deinen Ohren auf meine folgenden Worte:

Diese Welt ist eine Mühle, eines Tages mahlt sie uns aus.

In Anbetracht der Situation, in ein neues Jahr einzutreten, ist es offensichtlich, dass das Rezitieren und das Verstehen des Kapitels (Sura) Asr die wichtigste Aufgabe des neuen Jahres ist.

Ich gratuliere ihnen zu ihrem Freitag in der Hoffnung, dass das neue Jahr voller Glauben und rechtschaffener Werke sein möge.

Süleyman Altıntaş
Religionsbeauftragter, Köln

1 Koran, al-Asr, 103/1-3
2 al-Bukhari, Riqaq 1
3 Koran, al-Mu’minun, 23/99-100

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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