Freitags-Predigt vom 04.12.2015

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Anstand bitte (Adab Ya Hu)!

Verehrte Gläubige!

Der erhabene Allah drückt im Koran aus,  den Menschen in bester Form erschaffen zu haben.1  Der hier ausgedrückte Zweck, dass der Mensch in schönster Weise erschaffen wurde, ist nicht nur die äußerliche oder körperliche Schönheit. Was den Menschen wahrhaftig ehrenhaft und schön macht, sind der Verstand, das Feingefühl, die Sensibilität, die Feinheit, das Schamgefühl und der Anstand. Der Anstand ist Seele, Wirklichkeit, Schmuck und wahrer Reichtum der Menschheit.

Die Gelehrten deuten darauf, dass der Besitz von Anstand ein einzigartiger Schatz ist indem sie sagen: “Der Waise ist nicht derjenige, der keine Mutter und keinen Vater hat, sondern derjenige, der kein Wissen und keinen Anstand hat. Der wahre Arme ist nicht der, der kein Eigentum und keinen Besitz hat, sondern derjenige, der kein Wissen und keinen Anstand besitzt. Denn die größte Gabe und der größte der Reichtümer sind Wissen und Anstand. Wer diese Gaben besitzt, besitzt sie wegen seines Anstandes. Und wer sie verliert, verliert sie, weil er den Anstand aufgegeben hat. Wie vertieft ein Mensch bezüglich Wissen, hoch im Amt und unermesslich im Reichtum auch sein mag; solange dieser fern von Anstand ist, kann er nicht als tugendhaft angesehen werden.”

Verehrte Muslime!

Ein Gläubiger ist derjenige, der  stets seinen Anstand gegenüber Allah, dem Koran, dem Propheten und jedem in seinem Umkreis, den er kennt oder nicht kennt, ja sogar allen Geschöpfen gegenüber beibehält. Anstand gegenüber Allah ist dadurch möglich, Seinen Geboten und Verboten zu folgen; und Anständigkeit gegenüber dem Propheten ist dadurch möglich, dass man seine Sunna befolgt und ihn mit ganzem Herzen liebt. Anstand gegenüber den Menschen ist durch Respekt und ständige Beibehaltung der Höflichkeit gegenüber ihnen möglich. Im Bewusstsein, dass Allah der Inhaber aller Geschöpfe ist, ist Anstand gegenüber den Geschöpfen durch Toleranz möglich. Der Spruch: “Lieben das Geschaffene. Ja, um des Schöpfers willen!” bekräftigt diese Bedeutung in eindrucksvoller Weise.

Werte Gläubige!

Der Anstand, den uns unsere Religion, Sitten und Vorfahren uns lehrten, rät uns neben älteren Menschen nicht laut zu reden, einen Redenden nicht zu unterbrechen und in Anwesenheit einer Gesellschaft nicht zu flüstern oder nichts Geheimes sprechen. Diese erinnern uns daran, dass wenn wir die Gaben Allahs nutzen, auch die Empfindungen jener Menschen mitzubedenken, die diese Möglichkeiten nicht haben. Diese sehen es auch als anstandslos an, Menschen zu erniedrigen, sie durch Verachten zu demütigen, ihr Geheimnis zu verraten und ihnen Spitznamen zu vergeben.

Auch wenn ein anständiger Muslim mit unangenehmen Worten oder schlechten Verhaltensweisen konfrontiert wird, erwidert dieser nicht in einer dem Muslimen unwürdigen Art und Weise. Anstatt dessen verhält er sich wie Allah es entsprechend im Vers im Koran gebietet: „Die Diener des Barmherzigen sind die, die bescheiden auf der Erde umhergehen, und wenn die unwissenden Törichten sie unangemessen ansprechen, sagen sie: „Friede sei mit euch!“2 So wie es früher über den Türen der Weisheitsschulen stand, werden diejenigen ermahnt, die sich nicht entsprechend des Verses verhalten:„Anstand bitte“ (Adab Ya Hu)”.

Meine Geschwister!

Folgendes sollten wir sehr gut wissen, dass Anstand nicht durch Worte allein gepredigt werden kann, sondern vielmehr ein Wert ist, der durch vorbildhaftes Vorleben und durch das Leben lassen angeeignet wird. Es ist Aufgabe von uns allen, diesen Wert unseren nachfolgenden Generationen weiterzuvermitteln. Denn unser Prophet sagte: „Kein Vater kann seinem Kind etwas besseres als Anstand (Adab) aneignen lassen.“3

Erol Kılıç
Religionsbeauftragter, DITIB Muradiye Moschee, Duisburg

1 Koran, at-Tin, 95/4
2 Koran, al-Furqan, 25/63
3 at-Tirmidhi, Birr, 33

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

Advertisements