Freitags-Predigt vom 30.10.2015

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Gemeinschaft der Ausgewogenheit (Mitte) und ihre Eigenschaften

Verehrte Geschwister!

Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht, damit ihr Zeugen über die (anderen) Menschen seiet und damit der Gesandte über euch Zeuge sei.1

Wie aus dem rezitierten Vers deutlich wird, hat der Erhabene Allah der islamischen Gemeinschaft (Umma) wichtige Verantwortungen übertragen. Eines der wichtigsten dieser Verantwortungen ist die Eigenschaft “Gemeinschaft der Ausgewogenheit” zu sein und das bedeutet, noch besser, noch gerechter, noch ausgewogener und auf dem rechten Weg zu sein.

Das Gegenteil von ausgewogen (wasat) zu sein heißt entweder ein Extrem (ifrat) oder das andere Extrem (tafrit) zu begehen. Etwas über das Erforderliche hinaus zu machen bedeutet “ifrat”, weniger als das Geforderte zu machen bedeutet “tafrit”. Weder ifrat, noch tafrit sind aus Sicht unserer Religion gern gesehene Handlungsweisen. Das Angemessene aber ist es, ausgeglichen zu sein.

Werte Gläubige!

Als Erfordenis einer ausgewogenen (wasat) Umma sollten wir zu Themen des Glaubens und der Gottesdienste, zusammengefasst bei allen unserer weltlichen und jenseitigen Angelegenheiten ausgewogen handeln, ohne ins Extreme abzudriften.

So wie wir uns vor der Pein Allahs fürchten, sollten wir die Hoffnung auf seine Barmherzigkeit auch nicht verlieren.

So wie wir bei unseren Ausgaben nicht übertreiben und verschwenden, sollten wir uns nicht geizhalsig davon fernhalten, für wohltätige Zwecke zu spenden.

Geehrte Muslime!

Bei unseren Handlungen und unseren Gesprächen sollten wir uns von Extremem fernhalten; wir sollten uns gut überlegen, wo, wann und wie wir handeln und keine extremen Handlungen durchführen und keine übermäßigen Haltungen einnehmen, die wir später bereuen werden. An der Stelle, wo zu sprechen ist, sollten wir sprechen, da wo zu schweigen ist, sollten wir schweigen, kurz gesagt sollten wir wenig, aber treffend sprechen.

So wie wir uns bei unseren Speisen und Getränken wie erforderlich vor Verschwendung bewahren sollten, sollten wir auch unsere Zeit gut nutzen. Denn obwohl in einem Koranvers die Verschwendenden als Brüder des Teufels bezeichnet werden2, wird im Kapitel al-Asr3 ausgedrückt, dass diejenigen, die die Zeit nicht gut nutzen weltlichen und jenseitigen Verlust und Schaden erfahren werden.

Wir sollten auf unsere Kleidung und Erscheinung aufpassen; so wie wir sehr teure und luxuriöse Dinge meiden, sollten wir auch meiden, unsere Gottesdienste (ibada) negativ beeinträchtigende und uns unpassende Kleidung zu tragen.

Meine Geschwister!

Das Beste aller Dinge ist das Ausgewogene und Mittige. Sowohl extremer Übermaß als auch die Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen, ist eine nicht befriedigende Situation. Unser Prophet (s) hat absolut keine extreme Haltung befürwortet und uns wie folgt gewarnt:

„Bewahrt euch davor, in der Religion zu übertreiben, denn diejenigen, die vor euch Übertreibung in der Religion getrieben haben, sind zugrundegegangen.”4

Ibrahim DURMAZ
Religionsbeauftragter, Ehingen Mevlana Moschee

1 Koran, al-Bakara, 2/143
2 Koram, al-Isra, 27
3 Koran, al-Asr, 103/1-3
4 Ahmad b. Hanbal, al-Musnad, I, 125

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