Freitags-Predigt vom 14.08.2015

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Thema: Scheidung

Verehrte Geschwister!
Im Islamischen Recht ist Talaq die Scheidung, also das Beenden der ehelichen Gemeinschaft durch das Aussprechen bestimmter Wörter.

Der Islam billigt die willkürliche Beendigung der ehelichen Gemeinschaft nicht, solange kein wichtiger Grund vorliegt. Der Islam gebietet den Ehemännern, ihre Ehefrauen gut zu behandeln, ihr gegenüber tolerant, sanftmütig, gütig und geduldig zu sein. Er gebietet ihnen, nicht die Fehler der Ehefrau, sondern ihre guten Handlungen zu sehen; Sollten sie fehlerhafte Taten feststellen, verkündet der Islam, dass diese Grund für sehr viel Segen für sie sein wird. Im Koran wird wie folgt gesagt: „[…] Sollten sie euch etwa wegen eines Verhaltens mißfallen, müsst ihr geduldig und langmütig sein. Vielleicht mißfällt einem etwas, worin Gott viel Gutes verbirgt.“1

Liebe Geschwister!
Unser Prophet (s) hat in seinen Hadithen offenkundig ausgedrückt, dass er die Scheidung missbilligt: “Unter den erlaubten Dingen ist die Scheidung dasjenige, das Allah am unliebsten ist.”2 “Heirate, aber scheide dich nicht. Allah liebt diejenigen Männer und Frauen nicht, die für ihr Vergnügen heiraten und sich scheiden.”3

Der gnadenreiche Koran empfiehlt uns nicht überstürtzt, aber mit Geduld und Weisheit bei innerfamiliären Uneinigkeiten zu handeln. Der Koran legt uns bestimmte Rezepte zur Fortführung der Ehe vor. Im gnadenreichen Koran sagt der erhabene Allah zu Konfliktsituationen unter den Ehepartnern folgendes: “Und wenn ihr einen Bruch zwischen beiden befürchtet, dann ernennt einen Schiedsrichter von ihrer Familie und einen Schiedsrichter von seiner Familie. Wollen sie sich aussöhnen, wird Allah Frieden zwischen ihnen stiften.”4 In diesem Vers wird die Versöhnung der Ehefrau und des Ehemanns bei einer Konfliktsituation anstatt der Scheidung als erster Lösungsweg vorgeschlagen; Dieser Versuch ist der offenkundige Beweis dafür, dass die Versöhnung der Eheleute durch Schiedsleute beider Seiten anstatt der missbilligten aber dennoch erlaubten Scheidung zu bevorzugen ist.

Geehrte Muslime!
Alle Staaten auf der Welt treffen sehr viele materiellen und immateriellen Vorkehrungen für die Fortführung der Institution der Familie. Die Völker, die der Institution Familie keine Bedeutung zumessen, nehmen mit ihrer Bevölkerung ab und neigen sich dem Verschwinden zu. Die Kinder wachsen als Resultat der Trennung entfernt von der Liebe der Mutter und des Vaters auf und das führt zu tiefen Wunden, die in der Gesellschaft schwer zu heilen sind.

Als Gesellschaft sind wir Zeuge von Ehemännern, die aus unwesentlichen Gründen ihre Ehe mit der Ehefrau auflösen und unentwegt nach religiösem Rechtsgutachten (fatwa) und Ausweg suchen. Heutzutage hat sich in unserer Gesellschaft die Scheidung innerhalb der ersten drei Jahre nach der Trauung auf annähernd 50 Prozent erhöht. Auch aus Sicht unserer Religion, sowie auch der Familien und unserer Gesellschaft ist es sehr wichtig, dass die Ehe und die Institution Familie auf noch festere Grundlagen gestützt wird. Für die Fortführung der Ehe ist neben der Bildung der Eheleute auch die Förderung des gegenseitigen Verständnisses erforderlich. Aus religiöser Sicht ist es wichtig, dass die Themen der Trauung, Scheidung und des Familienrechts aus den islamischen Rechtsbüchern (fiqh) umfassend gelesen werden, so dass sie in den Gedächtnissen der Muslime ihren Platz einnehmen wie die rituelle Waschung, das Gebet oder das Fasten.

Möge Allah die Gemeinschaft des Propheten Muhammed und unsere Gesellschaft vor jeglicher Trennung, jeglichem Zwiespalt, allen voran der Scheidung bewahren. Möge Er unsere Ehebünde, unsere Einheit und Eintracht dauerhaft sein. Amin.

Recep IŞILDAR
Religionsbeauftragter Zentralmoschee, Gelsenkirchen-Buer

1 Koran, an-Nisa, 4/19
2 Abu Davud, Talak 3.
3 Talak, Diyanet Islam Enzyklopädie (DIA)
4 Koran, an-Nisa, 4/35

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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