Freitags-Predigt vom 31.07.2015

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Thema: Der Glaube an das Jenseits und seine Auswirkung auf das Individuum und das gesellschaftliche Leben

Werte Gläubige
Der Glaube an das Jenseits gehört zu den grundlegenden Glaubenssätzen. Das Jenseits ist der Ort, an dem die göttliche Gerechtigkeit in Erscheinung tritt. Allah verkündet im folgenden Vers, dass der Tod für die Menschheit nicht das Ende ist: „Diejenigen, die da ungläubig sind, behaupten, sie würden nicht auferweckt werden. Sprich: ‚Doch, bei meinem Herrn, ihr werdet gewiss auferweckt werden; dann wird euch gewiss verkündet, was ihr getan habt. Und das ist für Allah ein leichtes
.‘“[1]

Alles Neue wird alt und jedes Lebende wird den Tod kosten. Wenn die von unserem Herrn bestimmte Zeit gekommen ist, werden alle Menschen im Jenseits auferweckt und im ewigen Leben verweilen. Die letzte Bleibe wird dann nicht das Grab, sondern entweder das Paradies oder die Hölle sein.

Werte Muslime
Der Koran betont häufig gleichzeitig mit dem Grundsatz an Allah zu glauben, auch den Glaube an das Jenseits. Der Jenseitsglaube ist der Glaube an ein höheres Leben. Das Jenseits ist der Ort, an dem über alle guten oder schlechten Taten im Diesseits gerichtet wird und an dem folglich jeder ein Leben führen wird, das er verdient.

Liebe Gläubige
Im Grunde sind das Diesseits und das Jenseits miteinander verbunden. Das Diesseits ist das Saatfeld des Jenseits. So wie der Mensch sein Leben im Jenseits durch seine Taten im Diesseits erlangt, so korrigiert und regelt er entsprechend seines Glaubens an das Jenseits sein diesseitiges Leben.

Der Glaube an das Jenseits erlöst den Menschen von einem orientierungslosen und sinnlosen Leben. Der Glaube an das Jenseits sorgt dafür, dass der Mensch verantwortungsbewusst und tugendhaft handelt. Der Gläubige weiß, dass er eines Tages für alle seine Taten im Diesseits Rechenschaft ablegen muss. 

Daher ermahnt uns unser Herr mit den Worten: „Wer ein gutes Werk im Gewicht eines Staubkorns verrichtet, wird den Lohn dafür sehen. Und wer ein böses Werk im Gewicht eines Staubkorns verrichtet, wird die Strafe dafür sehen.[2]

Werte Gläubige
Eine der größten Schwächen des Menschen ist, dass er sich von weltlichen Leidenschaften erfassen und sich von weltlichen Reizen täuschen lässt. So sorgt der Glaube an das Jenseits dafür, unsere weltlichen Leidenschaften unter Kontrolle zu halten.

Diejenigen, die ihr Leben nur auf den Weg des irdischen und materiellen Gewinns ausrichten, das kurzzeitig Erworbene wert schätzen und das ewig Gute und Schöne aufschieben, verschwenden sich in Wirklichkeit selbst.

Meine sehr geehrten Geschwister
Ein Mensch, der an das Jenseits, an den Tag der Abrechnung glaubt, kann nicht lügen und nach dem Leben, dem Eigentum und dem Lebenspartner des anderen trachten. Er kann kein Unrecht tun, keine üble Nachrede betreiben und Unruhe stiften. Er kann nicht die Fehler und die Scham anderer bloß stellen. Er kann nicht die Menschen gegeneinander aufhetzen, die Menschen spalten und an seinem Land und seinen Leuten Verrat üben. Kurzum, ein Gläubiger, der an das Jenseits glaubt, lebt in jedem Moment seines Lebens, bei jedem Wort und jeder Handlung im Bewusstsein, eines Tages sicher Rechenschaft darüber ablegen zu müssen. Je stärker der Glaube an das Jenseits in den Herzen der Individuen ist, desto stärker ist der Zusammenhalt in der Gesellschaft. Die Menschen respektieren dann die Rechte der anderen noch stärker. Und dies führt zur Herstellung der Gerechtigkeit und des gesellschaftlichen Friedens.

Liebe Muslime
Ich beende meine Khutbe, meine Rede, mit folgendem Hadis unseres Propheten (s): „Der kluge Mensch hält sein Ego unter Kontrolle, er beobachtet es jederzeit und zieht es zur Rechenschaft. Der kluge Mensch ist jemand, der für das Jenseits arbeitet.“[3]

Emin ÜLKER
Religionsbeauftragter, DITIB Günzburg Ulu Moschee
1. Teğabun, 64/7.
2. Zilzal, 99/7-8.
3. Tirmizi. Kıyame 25; İbn Mace, Zühd 31

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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