Freitags-Predigt vom 03.07.2015

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Thema: In der Fremde Ensar/Helfer zu sein

Verehrte Gläubige!
Das Diesseits ist die Einwanderungsstätte des Menschen. Der Mensch ist im Ausmaß seiner Lebenszeit (seiner Edschel) und seiner ihm zustehenden Ration (seiner Rizk) wie ein fremder Reisender und Gast auf dieser Welt, die wie ein Schattenplatz ist. Im ehrwürdigen Koran heißt es dazu: „Dieses irdische Leben ist nichts als ein Zeitvertreib und ein Spiel. Was das Jenseits anlangt, so ist es das eigentliche Leben. Wenn sie dies nur wüssten!“ Allah, unser erhabene Herr, hat den Menschen auf diese Welt geschickt, damit er sein ur-ewiges Versprechen erneuert und die größte Belohnung, das Wohlwollen Allahs, erreicht.

Wann ein Mensch auf die Welt kommt und wann er ins Jenseits zurückkehrt, wo, wann und wie lange er leben wird, dies alles hängt vom göttlichen Willen ab. Das wichtigste ist, dass jeder Mensch seinen Herrn kennt. Dass er an Allahs Existenz und Einzigkeit glaubt. Dass er auf Allahs Liebe hofft. Und dass der Mensch nur Allah dient, im Bewusstsein der Angst, dass er dereinst vor Allah stehen und Rechenschaft ablegen muss.

Liebe Muslime,
Die Liebe ist ein in der Angst verborgenes Gefühl. Was die Rizk, die Versorgung des Menschen angeht, so ist sie ein im Tod verborgener Proviant. Die Migration des muslimischen Menschen aus seiner ursprünglichen Heimat in die Fremde nach Europa auf der Suche nach seinem Rizk wandelte sich in einem halben Jahrhundert zu seiner Sesshaftigkeit.

Allah gilt unser unbegrenztes Lob und der Dank; Wir sind mit unterschiedlichen Problemen in dieses Land gekommen. Dennoch bemühen wir uns, hier unsere erhabene Religion zu leben und diese Praxis unseren Kindern weiter zu geben. Vom ersten Tag an, an dem wir kamen, steigerte sich diese Bemühung.

In allen DITIB Moscheegemeinden finden jährlich verschiedene Wettbewerbe statt. Neben Ezan-Gebetsruf, Hutba-Predigt, schönes Rezitieren des Koran und Wettbewerben zur religiösen Allgemeinbildung, gibt es Feierlichkeiten zur Segensreichen Geburt des Propheten (s), Iftar-Zelte und besondere Programme in den heiligen Nächten. Hand in Hand führen wir diese Aktivitäten gemeinsam durch. Das stärkt unsere ethischen Gefühle und führt zu Zusammenhalt und Lebendigkeit.

Liebe Geschwister,
Heute ist es wieder an der Zeit, unsere guten Taten, unseren Zusammenhalt und unsere Gemeinschaft zu stärken. Es ist an der Zeit das zu tun, was unsere Geschwisterlichkeit erfordert. Es ist an der Zeit, unseren Mund, unsere Hand, unseren Esstisch, unsere Tür und allen voran unser Herz zu öffnen. Öffnen für die Waisen, die Mittellosen, die Fremden, die Reisenden, die Gestrandeten, die Bedürftigen, die Gäste und öffnen für die Flüchtlinge, denn denken wir doch daran, woher wir kommen und wohin wir gehen.

Unser geliebter Gesandte Muhammed (s) sagte in einem Hadis: „Der Muslim ist des Muslims Bruder. Weder unterdrückt er ihn, noch liefert er ihn seinen Feinden aus. Wer seinem (gläubigen) Bruder in dessen Not beisteht, dem steht auch Allah in seiner Not bei. Und wer einem Muslim eine Sorge abnimmt, dem nimmt Allah eine seiner Sorgen am Tage der Auferstehung ab. Und wer einem Muslim seine Fehler nicht bloßstellt, den stellt Allah am Tage der Auferstehung auch nicht bloß.“ 2 Somit hat er uns verdeutlicht, wie wir mit unseren Geschwistern umgehen sollen.

Liebe Gläubige,
Ich beende meine heutige Khutbe, meine heutige Predigt mit der Bedeutung des folgenden ehrwürdigen Ayet: „O ihr, die ihr glaubt, wenn ihr Allahs (Sache) helft, so wird auch Er euch helfen und Euch festen Boden unter den Füßen geben.“ 3

Serkan DURSUN
Religionsbeauftragter DITIB Füssen Moschee

1. Ankebut, 64
2. Buhârî, Mezâlim, 3; Müslim, Birr, 58.
3. Muhammed, 7

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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