Freitags-Predigt vom 19.06.2015

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Thema: Die Rolle des Fastens bei der Persönlichkeitsbildung eines Muslims

Verehrte Gläubige;

Der Monat Ramadan ist ein Fastenmonat. Das Fasten ist ein Gottesdienst, der den Menschen sowohl materiell als auch geistig zur Reife und Tugend führt. Es liegt in der Hand des Menschen, diese Gelegenheit zu nutzen und sein Leben zu strukturieren, damit seine geistigen Verdienste nachhaltig wirken können. Der sich jährlich wiederholende Ramadan ermöglicht bei allen Angelegenheiten einen Neubeginn für diejenigen, die frühere Gelegenheiten verpasst haben und für diejenigen, die ihre Fehler aufrichtig bereuen, ermöglicht er die Wandlung des ganzen restlichen Lebens zu einem Gewinn. Über das Fasten sandte unser Herr (Rab) Allah folgenden Vers herab: “O ihr, die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch  vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werden möget.”1

Unser Prophet teilt uns die frohe Botschaft mit, dass “Wer im Ramadan aus fester Überzeugung und den Lohn nur von Allah erwartend fastet, dem werden seine früheren Sünden vergeben.”2

Verehrte Muslime;

Das Fasten lehrt die inneren Gelüste zu zügeln. Die fastenden Gläubigen werden einen Monat lang ihre Triebe zügeln; sie werden nicht nur hungern, sondern sie werden auch von der Verrichtung freiwilliger Gebete bis zum Gegenlesen des Koran (muqabala) viele Handlungen (Sunna) unseres Propheten wiederbeleben und während sie diesen Monat wie unser Prophet mit etlichen Gottesdiensten (ibada) bekrönen, werden sie seine Repräsentation im sozialen Bereich nicht vernachlässigen. Insbesondere diejenigen, die nicht nur ihren Körper fasten lassen, sondern auch ihre Seele fasten lassen; ihre Zunge vor bösen Worten bewahren, ihren Verstand von bösen Gedanken und ihre Ohren vor dem Hören böser Dinge (Worte) beschützen, ihre Augen vom Erblicken schlechter Dinge, ihre Hände vom Greifen nach Schlechtem, ihre Füße vom Gang zum Schlechten und den Magen von Unerlaubtem bewahren, werden durch das „Reyyan“-Tor in das Paradies eintreten.

Meine Geschwister;

Trotzdem gibt es mache von uns, die sich nicht passend zu ihrem Fasten oder ihren Gebeten verhalten und benehmen.

Denken wir an einen Händler. Dieser betet fünf Mal am Tag und seine Kasse ist voll mit Geld; wenn jedoch die Zeit für die Begleichung seiner Schulden kommt, so sagt er: „Ich habe kein Geld, ich zahle später.” Wenn jemand dieses Verhalten des Händlers bemerkt und ihn hierzu ermahnt, so antwortet dieser “Dieses und jenes Verhalten haben nichts miteinander zu tun. Vermische das nicht mit dem Gebet.” Sind denn das Gebet und der Handel wirklich unterschiedlich? Sollte nicht ein betender Mensch bei seiner Arbeit, seinem Handel und in jedem Lebensabschnitt ehrlich sein? Wie sich ein Mensch zwischen den fünf Gebeten am Tag lügen, wenn er doch beim Gebet an Allah denkt? Wie kann er diese Lügen mit seinem Gewissen vereinbaren? Genauso versendet ein muslimischer Geschäftsmann Produkte geringerer Qualität als vereinbart, obwohl dieser seine Gottesdienste haargenau verrichtet. Können wir dann sagen, dass diese Person sich passend zu seinem eingehaltenen Fasten verhält? Ein fastender Autofahrer fährt jeden anderen beschimpfend mit seinem Auto herum. Passen Fasten und Beschimpfung zusammen?

Der Gottesdienst (ibada) des Fastens setzt die Beherrschung der Worte, der Zunge und der Nerven des Menschen voraus.

Verehrte Geschwister;

Der Monat Ramadan ist einer der wichtigsten Anlässe dafür, ein gebührender Diener Allahs und ein gebührender Mitglied der Gemeinschaft (Ummah) des Propheten zu sein. Ist das Fasten nur die Enthaltsamkeit durch Hunger und Durst zwischen dem Frühstück (Sahur) zur Morgendämmerung und dem Fastenbrechen (Iftar) am Abend, wenn sich die Menschen nach dem einmonatigem Fasten in der Zeit der Barmherzigkeit immer noch als grimmig einstufen und nicht sanftmütiger und nachsichtiger werden; und diese nicht versuchen Wege zu suchen, ihre schlechten Angewohnheiten aufzugeben und zu einem besseren Menschen und guten Gläubigen zu werden? Kann denn gelogen werden, nur weil es nicht auf der Liste steht, wodurch das Fasten ungültig wird? Haben unsere Gottesdienste denn nicht gleichzeitig eine Beziehung damit, dass wir gute und aufrichtige Menschen sind?

Dieser Monat sollte gut verwertet werden, damit wir unsere Herzen und alle unseren anderen Organe vor Bösen Dingen erretten und Allahs unendliche Barmherzigkeit und Vergebung mit Gottesdiensten erlangen können.

Ich beende meine Predigt mit einer Überlieferung (Hadith) unseres Propheten: “Das Fasten ist ein Schutzschild. Folglich soll der Fastende keine bösen Worte sprechen. Der Fastende soll demjenigen, der eine Zankerei und einen Streit mit ihm eingehen möchte, sagen: Ich faste, ich faste…”3

Fatih Oruç
Religionsbeauftragter DITIB Germersheim Moschee

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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