Freitags-Predigt vom 05.06.2015

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Thema: Die fünf Hauptziele des Islam

Verehrte Geschwister!

Die Überlegenheit des Menschen gegenüber all den anderen Geschöpfen zeigt den Wert des Menschen, den Allah ihm gibt. Das Hauptziel des Islam ist es, seine Religion, seinen Verstand, sein Leben, Eigentum und seine Nachkommenschaft zu schützen. Sobald diese im ersten Grad in der Verantwortung des Menschen und der Gesellschaft liegenden Rechte verletzt werden, ist einerseits unsere eigene Sicherheit, andererseits auch der gesellschaftliche Frieden in Gefahr.

Der Verstand ist eine der wichtigsten Eigenschaften, welche den Menschen zum Menschen macht. Hierdurch gelangt der Mensch zum diesseitigen und jenseitigen Glück. Aus diesem Grund hat unsere Religion einige Maßnahmen  zum Schutze des menschlichen Verstands ergriffen.

Der Islam hat jegliche Drogen und alle Rausch und Trunkenheit verleihenden Mittel und alkoholische Getränke verboten, die den Verstand dauerhaft oder vorübergehend beeinträchtigen, das Urteilsvermögen  einschränken und den Verstand berauschen.

Verehrte Gläubige!

Zu den Hauptzielen des Islam gehört auch der Schutz und die Sicherheit des Eigentums und Lebens, die zum Schutz und Frieden der Gesellschaft eine lebensnotwendige Bedeutung haben.

Allah, der Erhabene sagt im zu Beginn meiner Predigt rezitierten Koranvers folgendes: „O die ihr glaubt, zehrt nicht euren Besitz untereinander auf nichtige Weise auf, es sei denn, dass es sich um einen Handel in gegenseitigem Einvernehmen handelt! Und tötet euch nicht selbst (gegenseitig)! Allah ist gewiss Barmherzig gegen euch.“1

Mit dem im rezitierten Vers genannten nichtigen -also illegalen- Besitz ist das Vermögen gemeint, das durch jegliche areligiöse und unmoralische Wege angeeignet wird, wie durch Glücksspiele, Diebstahl, erpresserische Ausbeutung, Bestechung, Zinsen, Lüge, List, Betrug und Prostitution. Unser Prophet deutet mit seinem Hadith auf diese Krankheit in der Zeit vor dem jüngsten Tag: „Es wird eine Zeit kommen, wo der Mensch nicht darauf achten wird, ob das, was er erwirbt, vom Erlaubten (halal) oder nicht Erlaubten (haram) ist“2 und erteilt uns folgende Empfehlung:

„Oh ihr Menschen! Seit Gottesfürchtig, verdient euren Unterhalt (rizq) auf einer schönen Weise, denn -auch wenn verspätet- wird niemand sterben, bevor  er seinen kompletten Lebensunterhalt nicht  erhält. Nimmt das Erlaubte (halal) und lasst das nicht Erlaubte (haram).“3

Über den Schutz des Lebens sagt unser Herr (Rab)  Allah folgendes: „Und wer einen Gläubigen vorsätzlich tötet, dessen Lohn ist die Hölle, ewig darin zu bleiben…“4 „Wer einen Menschen tötet […], es so ist, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wer einem Menschen das Leben rettet, es so ist, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben gerettet.“5 Dazu sagt unser Prophet (s): „Das Töten eines Gläubigen ist bei Allah eine größere Sünde als das Zugrundegehen der Welt.“6

Verehrte Geschwister!

Hinsichtlich des Schutzes der Nachkommenschaft gebietet der Islam die Eheschließung (nikah); und hat mit der Warnung „Nähert euch der Unzucht nicht“ alle Arten außerehelicher Beziehungen verboten. Als Lehre für uns hat er uns über frühere Völker berichtet, die aufgrund ihres zügellosen wollüstigen Verhaltens qualvolle Pein erlebten und zugrunde gingen.

„Jede Religion hat einen Charakter; der Charakter des Islam ist die Scham.“7 Mit dem Ausspruch „Das Schamgefühl ist Teil des Glaubens.“8 empfiehlt uns unser Prophet (s), Gläubige mit Schamgefühl zu sein und betont, dass Schamlosigkeit und Verbreitung der Unzucht Zeichen des Jüngsten Tages sind.

Eines der weiteren Hauptziele des Islam ist auch der Schutz der Religion. Das Bedürfnis nach Religion ist eine von Geburt an vorhandene natürliche Empfindung. So wie  das Nichtatmen ein Zeichen des materiellen Todes ist, ist ein gottentferntes und ungläubiges Leben ein Zeichen für den geistigen Tod. Ohne Atemzüge stirbt unser Körper und wenn unsere Seele ohne Glauben und Gottesdienste bleibt, stirbt er auch.

Muhammed Baki TUNCEL
Religionsbeauftragter, DITIB Alzey Moschee

1. Koran, an-Nisa, g4/ 29
2. al-Bukhari, Buyu 7, 23; an-Nesâî, Buyu 2
3. Ibn Madscha, Ticâret, 2
4. Koran, an-Nisa, 93
5. Koran, al-Maide, 32
6. an-Nesai, Tahrim, 2
7. Ibn Madscha, Zuhd, 17
8. al-Bukhari, Iman, 3

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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