Freitags-Predigt vom 10.04.2015

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Thema: Der Prophet und die Kultur des Zusammenlebens

Werte Geschwister!
Unser geliebter Prophet Muhammed (s) ist die größte Gabe und Barmherzigkeit des erhabenen Allahs an die Menschheit. Er ist eine hohe Persönlichkeit, bei dem sich die Charaktereigenschaften und Werte zentriert haben, die den Menschen zu dem ausmachen, was ein Mensch ist. Dementsprechend wird im gnadenreichen Koran gesagt, dass er einen „edlen Charakter“ besitzt. In seinem Leben wurde das durch den Islam vorgesehene Idealmodell des vollkommenen Menschen verkörpert. Durch folgende Erwähnung in unserem erhabenen Buch des gnadenreichen Koran: „Wahrlich, in dem Gesandten Allahs hattet ihr ein schönes Beispiel für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs gedenkt“2 wird uns sein Leben als „umsetzbares schönes Beispiel“ dargeboten.

Verehrte Gläubige!
Der Islam akzeptiert Unterschiede als natürlich und artikuliert sogar, dass die Sprachen- und die Farbenvielfalt eines der Beweise für die Existenz Allahs sind: „Und zu seinen Zeichen gehört die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenartigkeit eurer Sprachen und Farben. Darin sind wahrlich Zeichen für alle Weltenbewohner.“3 Außerdem wird im Koran verdeutlicht, dass die Unterschiedlichkeiten der Menschen ein Teil der göttlichen Weisheit und Prüfung sind: „Und wenn dein Herr wollte, hätte Er die Menschen wahrlich zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht.“4

Das Bedürfnis der Menschen nach dem Zusammenleben ist eine Eigenschaft, die auf ihre Erschaffung zurückgeht. So wie es auf das psychologische Bedürfnis zurückgeführt werden kann, geht es aber auch gleichzeitig auf soziale und wirtschaftliche Notwendigkeiten zurück. Die Vorbedingungen für ein Zusammenleben der Individuen in Frieden und Sicherheit ist die Etablierung des Bewusstseins von Liebe, Respekt, Toleranz, gegenseitiger Hilfe, Solidarität und Geschwisterlichkeit unter den Einzelpersonen. Um das Bewusstsein der Einheit in der Gesellschaft etablieren zu können, ist es erforderlich, dass vorrangig die Individuen gegenseitig gute Absichten hegen, aufrichtig sind und sich gegenseitig respektieren. Des Weiteren ist es erforderlich, dass die Menschen vom Wirbel des Egoismus und des individuellen Vorteilsgedankens loskommen, die den Menschen zunichte führen und verhindern, den geistigen Geschmack des Teilens zu verspüren.

Fahrlässige und unverantwortbare Handlungen des Individuums bei seinen Aufgaben und seinen Verantwortungen haben sowohl fatale Auswirkungen für die Gesellschaft als auch für das Individuum. Wenn sich in einer Gesellschaft Verantwortungslosigkeit anstatt Verantwortung, Erbarmungslosigkeit anstatt Mitgefühl, Egoismus anstatt Uneigennützigkeit, Geiz und Gleichgültigkeit anstatt Teilen und Solidarität breit machen und eine Vertrauenslosigkeit herrscht, so dass die Einzelpersonen ihren Engsten gegenüber sogar eine Vertrauenskrise erfahren, deutet das auf einen Zusammenbruch der gesellschaftlichen Struktur hin.

Verehrte Gläubige!
So wie die Gesellschaft Rechte über dem Individuum hat, hat auch das Individuum Rechte gegenüber der Gesellschaft. Der Koran drückt aus, dass wir nicht nur gegenüber den Menschen, sondern auch gegenüber allen Lebewesen verantwortlich sind. Auf der einen Seite betont der Koran die Tugenden auf individueller Basis wie Dankbarkeit, Frömmigkeit, Geduld, Keuschheit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Fleiß. Auf der anderen Seite stellt der Koran das Teilen, Vergeben und Solidarität als Notwendigkeiten für das Zusammenleben in den Vordergrund und um die gesellschaftliche Struktur zu stärken, lenkt er die Aufmerksamkeit auf ethische Werte und menschliche Tugenden.

Diese umfassende Botschaft ist mit Barmherzigkeit gefüllt und präsentiert der modernen Gesellschaft einen Frieden, der auf die Realität zurückgeht, dass wir grundsätzlich alle von dem Propheten Adam (s) stammen; und Adam (s) ist aus Erde erschaffen. Somit werden wir uns bewusst, dass wir alle als Mitglieder der gleichen Menschheitsfamilie Geschwister sind und dass wir den Bedarf haben, einander zu lieben. Aber auch werden wir uns unserer Vergänglichkeit und unserer Bescheidenheit bewusst. Die Heimat der Liebe ist das Herz des Individuums; Der Eigentümer des Herzens aber hingegen ist unser erhabener Erschaffer Allah.

Ausgehend von diesem Verständnis wurde das Motto der diesjährigen Woche der gesegneten Geburt des Propheten Muhammed (s) als „Der Prophet (s) und die Kultur des Zusammenlebens“ festgelegt. Um dieses Thema herum werden sowohl nationale als auch verschiedene internationale Veranstaltungen durchgeführt. In diesem Rahmen wird, so Allah will (inschaallah), Prof. Dr. Mehmet Görmez, der Präsident des Präsidiums für Religionsangelegenheiten (Diyanet İşleri Başkanı), am Samstag, dem 11. April 2015 um 15.00 Uhr die Eröffnung der Woche der gesegneten Geburt in der Lanxess Arena in Köln verwirklichen.

Zusammen mit allen Schichten unserer Gesellschaft; mit Frauen wie Männern, Jugendlichen wie auch mit Senioren aus allen Gebieten Europas und Deutschlands beabsichtigen wir auf dieser Veranstaltung ein starkes Signal für das Zusammenleben abzugeben.

Ich wünsche dieser Veranstaltung schon jetzt gutes Gelingen und Allahs Segen für unseren gesellschaftlichen Frieden und gratuliere zu Ihrem Freitag.

Die Predigtkomission
1,3. Koran, ar-Rum 30/22
2. Koran, al-Ahzab, 33/21
4. Koran, al-Hud, 11/118

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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