Freitags-Predigt vom 20.02.2015

Bild: ctkirklees@stock.xchng

Thema: Verwandtschaftsbeziehungen

Verehrte Gläubige!

Eine der wichtigen Angelegenheiten, die wir im Leben beachten sollten, sind die Beziehungen zu unseren Verwandten. Denn unser Herr Allah sagte: „O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch erschaffen hat aus einem einzigen Wesen; und aus ihm erschuf Er seine Gattin, und aus den beiden ließ Er viele Männer und Frauen entstehen. Und fürchtet Allah, in Dessen Namen ihr einander bittet, und die Verwandtschaft. Wahrlich, Allah wacht über euch.“1 In einem weiteren Vers wird folgendes geboten: „Und dient Allah und setzt Ihm nichts zur Seite; und seid gut zu den Eltern, Verwandten, Waisen, Armen, dem Nachbarn, sei er verwandt oder aus der Fremde, dem vertrauten Freund, dem Sohn des Weges und zu dem, den ihr von Rechts wegen besitzt. Wahrlich, Allah liebt nicht den Hochmütigen und Prahler.“2 Wie zu sehen ist, gehört es zu unseren religiösen und moralischen Aufgaben, jeden unserer Verwandten, ob nah oder fern, aufrichtig zu lieben und den Kontakt mit ihnen nicht abzubrechen. Unser Prophet sagte dazu: „Derjenige, der an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, möge sich um seine Verwandten kümmern.“3

Meine Geschwister!

Wir sollten unseren Not erleidenden Verwandten sowohl materiell als auch seelisch beistehen. Wir sollten sie mit Achtung, Respekt, Güte und Liebe behandeln.

Wenn wir auch dann die Beziehung zu unseren Verwandten fortführen, wenn sie den Kontakt zu uns abgebrochen haben, indem wir nach deren Wohl fragen und uns um sie kümmern, werden wir unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Verwandten im wahren Sinne erfüllt haben. Es gehört zu den religösen und ethischen Vorzügen, den Verwandten zu besuchen, der keinen Besuch erstattet; demjenigen, der Böses tut, dennoch Gutes zu tun und ihm zu verzeihen; und stets das Rechte und die Wahrheit zu sprechen, auch wenn es zum eigenen Schaden dient. Diese Besuche sollten nur zum Erlangen des Wohlgefallens Allahs und nicht zu materiellen Zwecken dienen. Unser Prophet sagte dazu folgendes: „Derjenige, der seine Verwandten nur besucht, um deren Besuche zu erwidern, ist nicht der wahre Behüter (der Verwandtschaft). Der wahre Behüter ist derjenige, der seine Verwandtschafts-verhältnis trotz abgebrochener Beziehungen weiterhin pflegt.“4

Es werden denjenigen Verwandten große Belohnungen versprochen, die sich durch solche liebevolle Beziehungen gegenseitig behüten. Unser Prophet sagte folgendes: „Derjenige, der nach Reichtum und einem langen Leben begehrt, soll seine Verwandten besuchen und seinen Kontakt zu ihnen pflegen.“5

Meine Geschwister!

Der Gesandte Allahs sprach in einem seiner Hadithe wie folgt: „Die Verwandtschaftsbeziehung hielt am Thron (Gottes) fest und sprach folgendes: Derjenige, der mich pflege und bewahre, den möge Allah beschützen und bewahren. Derjenige, der sich von mir abwende, von dem möge Allah seine Barmherzigkeit wegwenden.“ Gerade heutzutage hat die Vorliebe für Materialismus und Eigennützigkeit das Nachlassen in der Herzlichkeit der Beziehungen innerhalb der Familien, ja sogar das Zerbrechen der Familien mit sich gebracht.

Wir sind Menschen. Unsere Freuden vermehren sich, indem man sie miteinander teilt. Unsere Sorgen verringern sich, indem man es miteinander teilt. Aus diesem Grund sollten wir uns erneut an unsere Eltern, unsere Verwandten und unsere in den Altenheimen in Vergessenheit geratenen Senioren erinnern und ihnen unsere Hand ausstrecken.

Wie unser geliebter Prophet immer Interesse und Zuneigung gegenüber seinen Verwandten zeigte, verzichtete er auch auf Verhaltensweisen, die die Verwandtschaftsbeziehungen zu ihnen schwächen würden. E hat sich stets seiner Milchmutter und ihrer Verwandten, sowie den Verwandten seiner Gattinnen zugeneigt. Seine materielle wie auch geistige Unterstützung hat er niemals verwehrt. Zudem hat der Prophet jeden, der einen Beitrag an ihm hatte und ihm Gutes getan hatte, als seine eigenen Verwandten angesehen und sie auch in seine Obhut genommen.

Unser Prophet sagte: „Möge derjenige gedemütigt werden, der zu den Zeiten des Greisenalters seiner Mutter oder seines Vaters den einen oder den anderen erreicht, aber  durch die ihnen zu gebührende Verehrung und zu erbringenden Dienste das Paradies nicht erlangen kann.“7

Verehrte Muslime!

Ich beende meine Predigt mit einem erhabenen Koranvers: „Wahrlich, Allah gebietet Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, das Schändliche und Abscheuliche und Gewalttat ist. Er ermahnt euch; damit ihr vielleicht ermahnt werdet.“8

Davut KURKUT
Religionsbeauftragter, DITIB Mevlana Moschee, Heilsbronn

[1] Koran, an-Nisa, 4/1    [5] Bukhari, Edep, 12
[2] Koran, 4/36                [6] Bukharı, Edep, 17
[3] Bukhari, “Edep”, 18    [7] Muslim, Birr, 9
[4] Bukhâri, “Edep”, 15    [8] Koran, an-Nahl, 16/90

Quelle: DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.,  www.ditib.de

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