Islamunterricht als Normalität

Bild: igoghost@stock.xchng
Bild: igoghost@stock.xchng

Der islamische Religionsunterricht muss in Deutschland rasch ausgebaut werden. Das fordern einige Experten und Politiker immer wieder. Das Fach sei ein Beitrag zur Integration, Identitätsstiftung. Was der Unterricht leisten kann, das erläutert der Frankfurter Islamwissenschaftler Prof. Bekim Agai.

Seit eineinhalb Jahren steht der Islam-Unterricht bereits für einige hessische Grundschüler auf dem Stundenplan. An der Uni Frankfurt sowie an der Gießener Uni wird eine erste Generation künftiger Islamlehrer ausgebildet. Carolin Eckenfels (dpa) führte mit Prof. Bekim Agai ein Interview darüber, was der Unterricht leisten kann.

Hessen hat den islamischen Religionsunterricht zum Schuljahr 2013/14 eingeführt und will ihn schrittweise ausbauen. Warum sollte das Fach auf dem Stundenplan muslimischer Schüler stehen?

Religionsunterricht in der Schule bedeutet, Religion in einem Umfeld kennen- und diskutieren zu lernen, das einen autonomen Wissenserwerb ermöglicht. Religionsunterricht ist auch so plural wie die Klasse selbst: Schüler mit bosnischem Hintergrund, türkischem, arabischem lernen und diskutieren – auf Deutsch – zusammen. Natürlich darf das auch kontrovers sein.

Wie können die Schüler noch profitieren?

Die Schüler können ihre Religion erfahren als ein Orientierungswissen unter anderen, als Gegenstand der Reflexion und Diskussion, gleichzeitig auch als selbstverständlichen Bestandteil einer deutschen Normalität. Das ist ein echter Paradigmenwechsel.

Kann Islam als Schulfach vor Radikalisierung schützen?

An dem Anspruch muss der Unterricht scheitern – und darf nicht darauf reduziert werden. Was der Unterricht leisten kann: die Autonomie von Schülern stärken. Ihnen in schwierigen Phasen auch für ihre Religion Mittel an die Hand zu geben, um sich ein eigenes Urteil zu bilden, leichter zu einfache Deutungen des Islam zu durchschauen und sich besser gegen Verführungen zu wappnen. Radikalisierung hat viele Ursachen, der Religionsunterricht kann nur seinen Teil zu einer umfassenden Persönlichkeitsstärkung beitragen.

Prof. Beim Agai ist 40 Jahre alt und seit eineinhalb Jahren geschäftsführender Direktor des «Instituts für Studien der Kultur und Religion des Islam» an der Uni Frankfurt. Islamische Geschichte und der Islam in Europa sind Agais Forschungsschwerpunkte. (dpa)

Quelle: Islamiq, www.islamiq.de // Originaltitel des Artikels: Islamunterricht als Zeichen gelebter Normalität

 

Advertisements