Nein zur Spaltung unserer Gesellschaft

Muhammet Balaban, Vorsitzender der Kommission Islam und Moscheen in Essen e.V.
Muhammet Balaban, Vorsitzender der Kommission Islam und Moscheen in Essen e.V.

Nachfolgend die Rede von Herrn Muhammet Balaban (Vorsitzender der Kommission Islam und Moscheen in Essen e.V.) an der Kundgebung des Bündnisses „Essen stellt sich quer“ am 18.02.2015 auf dem Willy-Brandt-Platz in Essen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine Damen und Herren,

wir danken den Initiatoren dieser Kundgebung, allen voran „Essen stellt sich quer“ und Ihnen meine Damen und Herren für Ihren Schulterschluss.

Wir lehnen die Ursachen des Terrorismus und Elends, wie Rassismus, Diskriminierung, Respektlosigkeit, Herabwürdigung, Ausgrenzung, Hass, Gewalt, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit in aller Deutlichkeit ab.

Wir sagen nein zur Spaltung unserer Gesellschaft und stehen für den Zusammenhalt.

Wir danken deshalb unserem Bundespräsidenten Herrn Gauck, seinem Vorgänger Herrn Wulff und unserer Bundeskanzlerin
Frau Merkel, sowie allen demokratischen Parteien und Gesellschaftsgruppen, die in den letzten Tagen richtige Worte dafür
gefunden und ein deutliches Signal gesetzt haben.

Wir in Essen bekennen uns zum Respekt, zum Frieden und zum Zusammenhalt.

Im Heiligen Buch der Muslime, im Koran, steht geschrieben: „Eine Verstimmung oder Hass gegenüber einem Menschen, einer Gruppe oder einer Ethnie darf euch nicht dazu verleiten `Ungerechtigkeit` zu üben“. Der Prophet Mohamed (sav) sagte auf seiner Abschiedspredigt auf dem Berg Arafat bei Mekka: „Der Weiße hat keine Überlegenheit gegenüber einem Schwarzen und ein Schwarzer hat keine Überlegenheit gegenüber einem Weißen. Vor Allah seid ihr alle gleich. Nur die Frömmigkeit macht den Unterschied unter euch aus“.

Demnach, haben Rassismus, Diskriminierung, Respektlosigkeit und Herabwürdigung keinen Platz im Islam.

Meine Damen und Herren,
Die Freiheit eines Menschen hört auf, wo die der Anderen beginnt.

Die verfassungsmäßigen Rechte aller Menschen in diesem Land sind zu respektieren. Die demokratische Grundordnung gibt uns den Raum für die friedlichen Auseinandersetzungen.

Meine Damen und Herren,
in unserer Stadt leben 120.000 Menschen mit unterschiedlichsten Migrationshintergründen.

Laut Grundgesetz unseres Landes ist die Würde eines jeden Menschen unantastbar.

Was machen allerdings diese Würde nun aus? Dies sind u.a. Ethnie, Kultur, Religion, Herkunftssprache… Jeder hat das Recht, Respekt dafür einzufordern. Wir sitzen alle im selben Schiff. Auf diesem ist Platz für jeden von uns, und jeder wird gebraucht. Deshalb müssen wir mehr aufeinander zugehen, Defizite abbauen, menschlich und respektvoll miteinander umgehen. Arche‐Treffen, die nun in unserer Stadt überall installiert werden, sind auch geeignete Instrumente dafür.

Erhalten wir unsere weltoffene Stadt lebenswert für alle Menschen.

Nun zu den aktuellen Geschehnissen von Paris: Wir verurteilen, ohne wenn und aber, die Morde, die in der letzten
Woche in Paris begangen wurden. Keiner hat das Recht, respektlos mit unserem Glauben umzugehen. Keiner hat das Recht, im Namen unseres Glaubens Morde zu begehen, Menschen zu töten.

Die Muslime in aller Welt sind erschüttert!

Wir hätten alle, diese Tragik nicht erleben müssen.
Warum diese Provokation mit Karikaturen? Warum diese Morde? Das hätte alles nicht sein müssen!

Keiner hat das Recht, Unfrieden in der Welt zu stiften.
Terrorismus und Gewalt haben keine Ethnie und keine Religion!

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!
Essen, 18.01.2015
Muhammet Balaban

Die Rede können Sie sich ebenfalls als PDF herunterladen.

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